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(Neu) Gespielte Spiele im Juli (und August) 2021

Eigentlich wollte ich den Juli und August sammeln, da ich im Juli wenig zum Spielen gekommen bin. Da es im August aber kein einziges Spiel auf den Tisch geschafft hat, hole ich hiermit den Rückblick auf den Juli nach.

Praga Caput Regni (Delicious Games, 2021)

Drei Wochen nach der Erklärung von „Praga Caput Regni“ kam es nun endlich auch auf den Tisch. Die Regeln saßen größtenteils bei meiner Mitspielerin noch, sodass wir sofort starten konnten. Zum Spiel habe ich schon ausführlich im Mai etwas geschrieben. Ich konzentrierte mich dieses Mal eher auf den Mauerbau, auch wenn ich es wieder verpasst habe, meine sechste Mauer zu bauen. Dementsprechend stieg ich auch wieder auf der Hungermauer bis zur obersten Stufe auf. Den Aufbau der Stadt ignorierte ich sehr stark (gerade einmal ein Gebäude landete dort von mir) und auch auf dem Königsweg schaffte ich gerade einmal zwei Schritte. Meine Mitspielerin baute dagegen kaum Mauern, aber dafür umso mehr Gebäude um die Märkte herum. Auch auf dem Königsweg schritt sie bis zur Brücke ans Ende voran. Ihre Eier-Strategie (sie bekam dafür immer Bonuspunkte und Stein) ging gut auf. Allgemein hatte sie ein gutes Händchen für die Ressourcen, die ihr scheinbar nie ausgingen. Durch Effekte der Technologien und Aufwertungen musste sie glaube ich kein einziges Mal das Bergwerk oder die Mine ausbeuten. Bei der Endabrechnung entstand ein schönes Kopf-an-Kopf-Rennen. Bis zur Wertung der Ziele lagen wir ganz gut gleich auf. Dort holte sie aber durch das Königsweg-Zielplättchen und das Ziel mit Gold am Anschlag noch einmal genügend Punkte, um mit 105:100 zu gewinnen.

Was ich wieder schade fand, ist die geringe Interaktion – vor allem in der Stadt. Ich habe mir überlegt, ob ich den erweiterten Solo-Automa „Peter Parler“ einfach als dritten Spieler mit aufnehmen sollte. Der sorgt für ein wenig mehr Rotation in der Auslage und mehr Häuser in der Stadt. Dadurch kommt es vielleicht auch tatsächlich mal zu einer Mehrheitenüberprüfung an den fertiggestellten Märkten. Es ändert aber nichts daran, dass Praga eher ein Multiplayer-Solitär-Optimier-Spiel ist, bei dem jeder auf sein eigenes Schaffen schaut aber sich sehr wenig dafür interessiert, was die Mitspielerinnen machen. Mir gefällt es dennoch sehr gut! (9,5)

Praga Caput Regni
Praga Caput Regni

Ganz neu ist die Online-Spielmöglichkeit von „Praga Caput Regni” auf der Spieleplattform Yucata. Ich habe mich dort gleich an eine Solo-Partie gewagt – angeblich gegen „Peter Parler“. Angeblich, weil für den Automa keine Karten gezogen wurden und er auch nicht an der Stadt mitgebaut hat. Es handelte sich also um den eher dummen Automa aus der Grundspielregel, was etwas schade war und ein inzwischen behobener Fehler auf Yucata war. Da der Automa nicht am Stadtaufbau mithelfen wollte, nahm ich das also in die Ende. Meine Ziele waren, auf dem Königsweg ganz nach vorne zu kommen und auf der Domleiste ganz nach oben, um zwei Spielende-Wertungen zu erhalten. Meine Bergwerke baute ich zuerst komplett aus. Aus dem Grund mangelte es manchmal am Geld, aber irgendwie ging es doch. Interessant war, dass ich im Spiel an 4 oder 5 goldene Fenster kam, sodass ich zahlreiche Extra-Aktionen im Laufe des Spiels nutzen konnte. Und so erreichte ich meine gesteckten Ziele bereits in der vorletzten Runde. Verschwendet waren meine 5 blauen Siegel, da ich kein einziges Mauerteil baute und entsprechend 0 Siegpunkte dafür bekam. Am Ende stand ich mit ganz angenehmen 117 Punkten da. In einem zweiten Anlauf war „Peter Parler“ dann tatsächlich mit von der Partie. Mit diesem Automa macht mir vor allem der Stadtbau mehr Spaß, da wesentlich mehr Märkte vollendet werden. Mein Ziel war es, alle Goldminen und Bergwerke auszubauen, auf dem Königsweg ganz nach oben zu gelangen und die Domspitze zu erreichen, sodass ich am Ende Punkte über vier Siegel und Zielplättchen erhalten würde. Zwischendurch gab es Probleme, weil aufgrund eines anderen kleines Fehlers das Spiel fest hing. Nachdem das aber gefixt war, konnte ich die Partie beenden – und stand erneut mit 117 Punkten da. Auch die zweite Partie hat viel Spaß gemacht.

Die Implementierung auf Yucata ist gut, dafür dass das Spiel so komplex und verzahnt ist. Die Bedienung selbst ist recht intuitiv. Es war mir meist klar, wo ich klicken muss. Die aktuell möglichen Aktionen sind dabei grün umrandet, nur musste ich diese mitunter etwas genauer suchen, da das Spielfeld auch drei vertikale Bildschirmseiten bei mir einnimmt. Vor allem die Markierungen auf dem Spielertableau sind sehr klein, beispielsweise wenn ich wählen muss, ob ich das Bergwerk erweitere oder Steine abbaue. Ein Text am unteren Browserfensterrand, der mir alle möglichen Optionen kurz beschreibt („Du kannst eine extra Aktion machen, einen Bonus nehmen oder den Bonus verfallen lassen und den Zug beenden.“) hilft da aber etwas. (9,0)

Praga Caput Regni (Solospiel auf Yucata)
Praga Caput Regni (Solospiel auf Yucata)

Wertung: (9,0)

#PragaCaputRegni

Freie Fahrt (2F-Spiele, 2021)

Mit Friedemann Frieses Spielen stehe ich zwar nicht auf Kriegsfuß, aber es gibt sehr wenige, die mir tatsächlich gefallen. Dennoch schaue ich mir das eine oder andere immer mal wieder an, wenn mich das Thema anspricht. So geschehen bei „Freie Fahrt“, Frieses neuestem Spiel.

Im Kern ist es ein simples Pick-up-and-Deliver-Spiel, das heißt wir wollen mit unserem Zug von Stadt A zu Stadt B fahren, was Punkte bringt. Alle Spielerinnen starten mit ihrem Zug in verschiedenen, europäischen Städten. Als Aktion kann ich entweder Schienen aus dem Vorrat nehmen, bis zu zwei Schienen zwischen zwei Städte legen (auch wenn die Strecken zwischen den Städten mitunter länger sind) oder meinen eigenen Zug bis zu zwei Städte über bereits gebaute Strecken fahren lassen. Beim Bau von neuen Strecken markiere ich diese mit einem eigenen Besitzmarker. Die Fahrt mit meinem Zug darf über beliebige Strecken führen. Wenn ich dabei aber eine Strecke einer Mitspielerin nutzen will, muss ich dieser eine Münze geben. Dafür wird dann aber auch deren Besitzmarker entfernt und die Strecke wird frei für alle befahrbar. Ziel des Spiels ist, den eigenen Zug durch bestimmte Start- und Zielstädte fahren zu lassen. Hierfür liegen sechs mögliche Routen aus. Jede Route besteht aus drei Stadtkarten A, B und C. Ich kann bei der Bewegung meines Zuges durch Stadt A die Route A-B nehmen und die Route abwerfen, sobald ich irgendwann einmal B erreiche. Alternativ kann ich, wenn ich durch B fahre oder dort halte, die Strecke B-C nehmen und erfülle die Route, sobald ich durch C fahre. Eine noch offene Route darf ich nicht abwerfen. Ab Runde 2 darf ich aber zwei offenen Routen haben. Das Spiel endet nach drei Runden, wenn drei Stapel mit Stadtkarten durchgespielt sind. Es gibt dann Punkte für jede Stadt, für die man eine Routenkarte hat und für übrig gebliebene Münzen.

Eigentlich ist „Freie Fahrt“ ein sehr einfaches Spiel. Schienen nehmen, Schienen bauen oder Zug fahren lassen. Dabei Routen nehmen, wenn ich die passende Startstadt durchfahre und Route erfüllen, wenn ich die Zielstadt besuche. Dennoch habe ich anfangs mit der Anleitung gekämpft und erst nach dem kompletten Lesen wirklich verstanden, wie die zuvor erklärten Aktionen tatsächlich funktionieren sollen. Ich bin mir unsicher, woran das lag, aber irgendwie las sich die Anleitung komplizierter als das Spiel ist. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass beispielsweise beim Schienenbau davon gesprochen wird, dass ich zwei Konstruktionspunkte ausgeben kann, um bis zu zwei Schienen zu bauen (durch Tunnel und über Wasser kostet eine Schiene zwei Konstruktionspunkte). Erst nach dem Durchlesen der Anleitung habe ich verstanden, dass es keine physischen Konstruktionspunkte im Spiel gibt. Diese sind rein virtuell und werden daher auch nicht wirklich ausgegeben. Das hat mich anfangs verwirrt.

Von der Idee gefällt mir das Spiel sehr gut, auch wenn es sicherlich nichts großartig neu macht. In „Zug um Zug“ baue ich ebenfalls Zugstrecken von Stadt zu Stadt, muss mir aber nicht die Städte nehmen, sondern Karten, um die Strecke zu bauen. In „Thurn und Taxis“ baue ich keine Strecken zwischen Städten, ziehe aber Stadtkarten, um aus benachbarten Städten eine lange Strecke zu bauen und meine Häuser zu setzen. Und in „On the Underground: London/Berlin“ baue ich Zugstrecken von Ort zu Ort, um einen Passagier möglichst effizient über meine Strecken dorthin zu leiten. „Freie Fahrt“ ist also ein weiteres Zugstrecken-Legespiel. Die Besonderheit ist hauptsächlich, dass ich mir die Städte für meine Route aus einer Auslage aussuche und die Zielstadt nicht zwingend sofort anfahren muss. Vor allem mit der zweiten Routenmöglichkeit ergibt es sich, dass ich eine zweite Route nehme und erfülle, bevor ich die erste erfüllt habe.

Die thematische Umsetzung ist okay. Die Originalnamen der Städte sind sehr stimmig, aber sie helfen nicht beim Auffinden auf der Karte. Dass Danzig in Polen an der Ostsee liegt, wissen vermutlich viele, aber dass „Gdańsk“ der polnische Name ist, vermutlich nicht. Und so muss man „Gdańsk“ und viele andere Städte auf der Karte auch erst suchen. Das trifft ebenfalls auf Städte zu, die mir etwas unbekannter waren wie „Lwiw“ oder “Kharkiv“. Vor allem in den ersten paar Partien muss man sich darauf einstellen, die Orte auf der Karte zu suchen, um zu entscheiden, ob sich eine Route von oder nach dort lohnt. Thematisch passend erscheint, dass meine Lokkarte angibt, wie weit ich mit meinem Zug fahren kann. Am Anfang der dritten Runde erhalte ich auch eine stärkere Lok, mit der ich weiter fahren kann. Sehr seltsam fand ich aber, dass mein Waggon (als Karte) die Reiseroute transportiert. Und nicht nur das. Mit meinem zweiten Waggon ab der zweiten Runde kann ich eine zweite Route transportieren. Erklärt wird dies, dass ich Passagiere transportiere. Aber gerade mit zwei Waggons sind dies seltsame Passagiere in Waggon 1, die sich aufgrund der ausliegenden Aufträge durch ganz Europa kutschieren lassen, weil sich die Route im zweiten Waggon immer leichter erfüllen lässt.

Freie Fahrt – Solitär (Tabletopia)
Freie Fahrt – Solitär (Tabletopia)

Gespielt habe ich das Spiel auf Tabletopia, eine Zweipersonenpartie (solo zweihändig) und eine reine Solopartie. Bei der zweiten besitze ich gleich drei Waggons für drei Routen und meine Lok kann 5 Städte weit fahren. Ich habe 35 Münzen zur Verfügung und muss jede Runde 1 Münze ausgeben, um entweder 5 Strecken zu bauen oder meinen Zug zu bewegen. Ziel ist es, alle drei Runden durchzuspielen und dabei möglichst viele verschiedene Städte anzufahren. Sehr unübersichtlich fand ich dabei, dass es nur komplett herausgezoomt die Übersicht über wählbare Routen und die Karte mit gebauten Strecken gibt. In der Zoomstufe sind zwar die Städtenamen auf den Karten noch gerade so lesbar, auf der Landkarte aber nicht mehr. Und so musste ich immer wieder zwischen den Routen und der Landkarte hin- und herzoomen, um zu schauen, wo eine Stadt überhaupt liegt und ob es Strecken dorthin gibt. Auch das Auszählen am Spielende ist in Tabletopia umständlich. Im Solospiel gibt es nur Punkte für die erste Karte einer Stadt gibt, im Mehrpersonenspiel gibt es für die zweite oder dritte Karte einer Stadt immerhin noch zwei Punkte. In beiden Fällen muss ich am Spielende alle meine Städtekarten auf dem Tisch auslegen, um doppelte auszusortieren. Auf einem realen Tisch besteht eine bessere Übersicht und die Handhabung ist einfacher, sodass ich die Online-Umsetzung dem Spiel nicht ankreiden kann.

Ansonsten war „Freie Fahrt“ eine gute Unterhaltung. Es spielt eine Menge Glück mit rein, da es sein kann, dass die Routen nur Städte anbieten, die direkt nebeneinanderliegen, sodass sich Aufträge extrem schnell erfüllen lassen. Oder sie liegen extrem weit auseinander, sodass ich viele Aktionen für Zugbewegungen ausgeben muss. Dennoch ist es eine schöne Knobelei, ob ich meine nächste Route so wähle, dass die Strecke möglichst kurz ist, egal wo die Städte sind, oder ob ich mir lieber eine Startkarte der nächstgelegenen Stadt aussuche, egal wie lang die Strecke ist. Die Mischung aus beiden führt vermutlich zum Sieg. Interessant fand ich die unterschiedliche Spielart in den drei Runden. In Runde 1 baute ich eher mein Streckennetz auf und erfüllte wenige Aufträge, in Runde 2 hielt es sich das Mittel und in Runde 3 waren fast alle Städte irgendwie miteinander vernetzt, sodass es nur noch um das optimale Herumfahren ging. Auch der zweite Waggon und die schnellere Lok verändern und beschleunigen das Spiel. Das hat mir gefallen, weil es das gesamte Spiel nicht zu gleichförmig und langweilig werden lässt. Zu zweit spielt es sich ganz anders als allein. Allein habe ich wirklich fast freie Hand und muss nur anhand der Kartenauslage die Strecken optimieren. Zu zweit dagegen ist jede Strecke hart umkämpft, vor allem die kurzen, die nur aus einer Schiene bestehen. Denn sie kosten nur eine „halbe“ Aktion, bringen später dennoch eine Münze, wenn meine Mitspielerin sie nutzen und freisetzen will. Allein die Spielzeit fand ich zu zweit etwas zu lang, was vielleicht aber auch an Tabletopia liegen kann. Interessant wäre noch zu wissen, wie es sich zu viert spielt, da mir die Münzen vermutlich schneller ausgehen, da ich häufiger gezwungen bin, Strecken der Mitspielerinnen zu bezahlen. (7,5)

Freie Fahrt – Zu zweit (Tabletopia)
Freie Fahrt – Zu zweit (Tabletopia)

Wertung: (7,5)

#FreieFahrt

Insel der Katzen (Skellig Games, 2020)

Nachdem „Insel der Katzen“ endlich auch bei mir einziehen durfte, habe ich mich gleich an einer Solo-Partie gegen meine Schwester (so heißt der Automa) versucht. Der eigene Spielablauf ist gar nicht so anders als im Mehrpersonenspiel (den ich im November 2020 bereits erklärt habe): Karten ziehen und auswählen bis ich 7 auf der Hand habe, Lektionen auslegen, die grünen Karten abwechselnd ausspielen, um Katzen zu fangen, Oshax und Schätze nehmen und nach fünf Runden ist es vorbei. Die Schwester spielt sich einfach, aber sehr abwechslungsreich: In jeder der fünf Runden wird eine Farbkarte aufgedeckt. Diese gibt an, wie viele Punkte die Schwester für die jeweilige Katze auf meinen Schiff bekommt. Daneben liegen von Anfang an Lektionen aus, für welche die Schwester gemäß meines Schifftableaus am Spielende Punkte erhält. Während des Spiels wird vor dem Einfangen der Katzen eine Karte von einem speziellen Automa-Deck aufgedeckt. Diese gibt die Geschwindigkeit an (Wer wird neuer Startspieler?) und wie viele Karten zusätzlich verdeckt ausgelegt werden. Ist die Schwester am Zug, steht auf der Karte, welche Katze, Oshax oder Schätze sie aus der Auslage nimmt und abwirft. Ab und zu erlaubt sie sich sogar einen Spaß und tauscht zwei Katzen in der Auslage um. Wenn auf die Idee nur mal jemand im Mehrpersonenspiel käme … Nach den fünf Runden erhält die Schwester Punkte für die Katzen auf meinem Tableau zusätzlich für ihre Lektionskarten.

Mir hat der Automa sehr gut gefallen. Zum einen finde ich es sehr interessant gegen die eigene Schwester zu spielen – unabhängig davon, ob ich eine habe oder nicht. Irgendwie wirkt eine Niederlage dann persönlicher. ;) Der Ablauf ist sehr einfach, aber über das Kartendeck fühlt es sich tatsächlich so an, als spiele ich gegen eine echte Person, die mir Katzen und Schätze wegnimmt. Natürlich geschieht dies alles zufällig und ohne Plan – aber so fühlt es sich manchmal auch an, wenn ich gegen echte Menschen spiele. ;) Sehr gut haben mir auch die Lektionskarten des Automa gefallen. Ich musste mich zwar erst daran gewöhnen, dass ich genau auf deren Gegenteil bzw. deren Nichterfüllung spiele, aber das machte mir viel Spaß. So habe ich absichtlich nicht auf das Abschließen von Räumen gespielt und Minuspunkte kassiert, nur damit die Schwester keine Bonuspunkte dafür bekommt. Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir, dass jede Runde eine neue Farbkarte dazu kommt, die Punkte bringt. Ein bisschen fühlt es sich wie Glücksspiel an, wenn ich in Runde 1, in der nur eine Farbe offen liegt, ganz viele rote Katzen auf mein Schiff lege und inständig hoffe, dass die nächste Farbkarte nicht Rot ist. Dieses Abwägen, welche Farben ich nehme (ich habe beispielsweise komplett auf Katzen der Farben aus Runde 1 und 2 verzichtet, weil diese der Schwester 5 beziehungsweise 4 Punkte bringen), war ein sehr schöner Aspekt. Wenn ich Kritik äußern muss, dann nur ein einziger Punkt: Durch das Aufdecken der ersten Karte, um Geschwindigkeit und Anzahl Züge des Automa zu bestimmen, kenne ich auch schon die erste Aktion meiner Mitspielerin. Das hat mir nicht gefallen, weil ich darauf reagieren konnte, wenn ich Startspieler war. Aus dem Grund werde ich zukünftig wohl eine Karte mehr aufdecken und die erste Karte nicht für die Aktionen nutzen. So bleibt es ein größeres Geheimnis, was meine Gegnerin wohl gleich machen wird. Ansonsten hat mir das Solospiel aber sehr gut gefallen. Mit 73 zu 66 konnte ich sogar ganz knapp die erste Partie auf der mittleren Schwierigkeitsstufe gewinnen. In der zweiten Partie klappte leider sehr wenig und die Schwester gewann recht hoch mit 55 zu 88 Punkten. (10,0)

Insel der Katzen (Solo-Spiel)
Insel der Katzen (Solo-Spiel)

Wertung: (10,0)

#InselderKatzen

Kanban EV (Eagle-Gryphon Games/Skellig Games, 2020)

„Kanban: Automotive Revolution“ zählt zu einem meiner liebsten Heavy-Euro-Games. Wir sitzen im mittleren Management eines Automobilkonzerns und erstellen neue Auto- und Teile-Designs, besorgen uns diese Autoteile im Lager, erstellen damit Autos auf dem Fließband und nehmen die Autos dann auf der Teststrecke ab, um sie in unsere Garage zu stellen. Jeden Tag werden wir von unserer Managerin Sandra bewertet, wie gut wir bisher in den einzelnen Abteilungen gearbeitet haben. Am Wochen-Ende werden wir dafür belohnt. Regelmäßig gibt es Meetings, auf denen wir über unsere Leistungen sprechen können, in dem wir bestimmte Zielkarten ausspielen und Punkte dafür erhalten. „Kanban“ ist ein großartiges Spiel von Vital Lacerda, der schon zahlreiche andere schwere Brocken auf den Spieltisch gezaubert hat. Das Thema der Autoherstellung ist aber großartig eingefangen und es macht mir sehr viel Spaß, Autos zu produzieren. Es ist dabei aber sehr denklastig, da die unterschiedlichen Aktionen in den Abteilungen sehr stark miteinander verwoben sind. Aber gerade das gefällt mir von Zeit zu Zeit.

Weil das Spiel so gut ist, gab es 2020 eine Neuauflage in Form von „Kanban EV“ („EV“ steht für „Electric Vehicle“). Wir hatten vor einigen Monaten bereits bei Tabletopia einen Blick darauf geworfen, aber es nach wenigen Minuten aufgegeben, da es zu anders aussah und wir nicht zurechtkamen. Zusätzlich war die letzte Partie wieder einige Monate her, sodass die Regeln nicht mehr saßen. Die Regeln sind auch wichtig, denn es gibt viele davon. In unserer Dreierrunde mit einem Kanban-Neuling dauerte die Regelerklärung 45 Minuten. Ich fand die Auffrischung sehr sinnvoll, denn vieles hatte ich vergessen.

Ich gehe hier nicht auf alle Unterschiede von „Kanban EV“ zu „Kanban“ ein. Wichtigste ist die Optik des Spielbretts. Die neue Version soll klarer und übersichtlicher sein, was ich aber nicht bestätigen kann. Die Abteilungen sind nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten angeordnet, was aber keinen Unterschied macht, weil sich das je nach Sitzposition ums Spielbrett sowieso unterschiedlich darstellt. Die Zuordnung der Aktionsfeldern zu den Abteilung ist teilweise nicht ganz klar. Ich stellte mich sogar einmal auf die falsche Abteilung, weil die Aktionsfelder teilweise schräg daneben liegen. Nicht gut fand ich die Darstellung der Zertifizierungsleisten: Von meiner Sitzposition aus war nie klar zu erkennen, wo oben und unten auf der Leiste ist. Ich musste also immer sehr genau hinschauen, um zu erkennen, in welche Richtung ich laufen müsste, um eine Zertifizierung zu erhalten oder ob ich sie schon hatte. Die Übersicht ist sowieso wieder das Problem. Ich stand fast das ganze Spiel über, weil ich sonst die gegenüberliegende Seite des Spielplans nicht sehen konnte. Das meiste davon sind aber auch Probleme in „Kanban“. Schade ist, dass diese mit der neuen Aufmachung für mich nicht gelöst wurden. Ebenso ist die Symbolik beispielsweise auf Zielkarten nicht sofort klar. Wenn auf einer Karte ein Symbol für eine Abteilung abgebildet ist, musste ich wieder jede Abteilung absuchen, welches Symbol das wohl gerade ist. Vor allem bei den Zertifizierungszielkarten glich dies einem Suchspiel.

Neben der Optik wurde die Spielanleitung neu aufgemacht, aber auch hier finde ich, dass sich diese noch genauso schlecht erarbeiten lässt. Bei Fragen mussten wir lange blättern, um die Antwort an der richtigen Stelle zu finden. Und wir haben sogar eine Information gar nicht gefunden, wie viele/welche Boni wir in der fünften Garage nehmen können. In der Anleitung steht, dass es auf dem Referenzblatt steht, dort fanden wir es nicht. Auch hier hätte ich von einem 159 Euro teurem Spiel bei Skellig Games) mehr erwartet. Es gibt zwar Unterschiede und auch Verbesserungen an der Optik gegenüber „Kanban“, aber keine, die diesen sehr hohen Preis in meinen Augen rechtfertigen. Hier kann ich jedem, der Interesse hat, nur zu der ursprünglichen „Kanban“-Edition raten, die es mitunter für 50 Euro gebraucht zu erstehen gibt. Und vor allem frage ich mich, wieso der Hersteller ein Monopoly-Metallauto als Safety-Car beilegt, obwohl alle anderen Komponenten und Autos aus Holz sind.

Was an „Kanban“ gut bzw. besonders ist, haben „No Pun Included“ sehr gut in ihrem Video erklärt. Und deswegen halte ich „Kanban“ auch in der neuen Version für ein großartiges Spiel, trotz all der Kritikpunkte. Die Interaktion durch gezielte Wegnahme von Aktionsfeldern und das gleichzeitige Austüfteln einer eigenen, effizienten Autoproduktion macht das Spiel für mich zu einem großartigen Erlebnis für einen Spieleabend. Dass ich mit 150:137:127 gewonnen habe, hilft sicherlich auch noch ein bisschen. (10,0)

Kanban EV
Kanban EV

Wertung: (10,0)

#KanbanEV

Die Crew (KOSMOS, 2019)

Das Kennerspiel des Jahres 2020 „Die Crew“ habe ich jetzt erst kennengelernt. Bis zum Ende des Spieleabends war noch etwas Zeit, also konnten wir auch noch flink ein paar Partien spielen. Die Gruppe bzw. der Eigentümer des Spiels befand sich bei Mission 40 von 50, also hatten wir noch etwas zu tun.

Die „Die Crew“ ist ein kooperatives Stichspiel. Alle Spielerinnen haben farbige Karten mit Zahlwerten auf der Hand. Ein Spielerin legt eine Karte aus, die anderen müssen reihum die passende Farbe dazu spielen. Wenn sie diese nicht auf der Hand haben, dürfen sie eine andere Farbe abwerfen. Wer die Karte mit dem höchsten Wert und passender Farbe gelegt hat, erhält den Stich und spielt eine neue Karte aus. Die Besonderheit bei „Die Crew“ ist, dass es Aufgaben gibt, welche die Spielerinnen gemeinsam erfüllen müssen ohne sich zu stark abzusprechen – ansonsten könnte man auch solitär mit offenen Karten spielen. Und so muss beispielsweise der erste Stich von Spielerin A gemacht werden und alle anderen Stiche dürfen nicht von ihr gemacht werden.

Der Erfolg und Misserfolg einer Aufgabe hängt von zwei wichtigen Faktoren ab: Wenn alle Spieler in der Runde Stichspiele kennen und gut können, vereinfacht es die Missionen enorm. Wenn also alle wissen, wie man sich in Farben blank spielt und weshalb das nützlich, ist viel gewonnen. Der andere Faktor ist die zufällige Kartenverteilung – sowohl von den Aufgaben als auch von den Handkarten. Mitunter hat eine Person nur Handkarten auf der Hand, mit der sie als Startspielerin alle Stiche macht (alle Karten eine Farbe und alle Raketenkarten als Joker). Dann sind die Aufgaben entweder extrem leicht runterzuspielen – oder unmöglich zu erfüllen. In der Regel ist bei einigermaßen gleichmäßiger Kartenverteilung ein Sieg fast immer möglich. Von den 11 Missionen mussten wir nur drei wiederholen, alle anderen schafften wir auf Anhieb.

Die Story hinter den Missionen ist … naja, sehr unterhaltsam, wenn ein Mitspieler sie in der Stimme von Chekov (aus „Star Trek“) vorliest, aber mit dem Spiel haben sie wenig zu tun. Es handelt sich bei „Die Crew“ um ein abstraktes Stichspiel, welches mir aber sehr gut gefallen hat und ich jederzeit wieder mitspielen würde. Vor allem die Verzweiflung, weil wir angeblich eine Mission nicht schaffen können, und dann die Freude, weil sich doch irgendwie alles zusammenfügt, ist großartig. Hier leben die Emotionen wirklich groß auf. Und obwohl es eine Art Kampagnenspiel ist, kann eine Spielegruppe jederzeit beliebige Missionen heraussuchen und wiederholen. Aber natürlich macht das „Abarbeiten“ der 50 Missionen noch mehr Spaß – selbst wenn man wie ich erst zu Mission 40 einsteigt. (9,0)

Wertung: (9,0)

#DieCrew

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