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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 8: Abschluss

Schlussbemerkungen

Und so endet mein Reisebericht der diesjährigen Radreise. Fast 1000 Kilometer (wenn ich die kleineren Strecken mitzähle, die ich ohne Navi gefahren bin) waren es und was sich wahnsinnig viel anhört, verteilt sich dann doch recht gut über die gesamte Reise von zwölf Tagen. Mit dem Besuch in Delft habe ich ein weiteres Reisewunschziel erreicht und auf dem Weg dorthin gleich noch drei „fremde“ Länder bereist. Nicht alle Städte, die ich mir angeschaut hatte, waren überragend, aber in Summe überwiegen natürlich die positiven Eindrücke. Gent hat mir von allen am besten Gefallen und ich komme dorthin sehr gerne noch einmal zurück. Aber auch nach Delft und Amsterdam komme ich gerne wieder.

Ich weiß noch nicht, wo die nächste Radreise hingeht, aber Ideen habe ich genug. Zum Beispiel die Donau entlang bis nach Rumänien (über Wien, Budapest, Belgrad und Bukarest). Oder an der Ostsee durch die baltischen Staaten bis nach Tallinn/Estland und ggf. weiter bis nach Helsinki. Auch einmal auf den Pyrenäen von San Sebastian nach Perpignan (und dann auch gleich nach Carcassonne, damit ich den Brettspiel-Klassiker auch mal abhaken kann). Und irgendwann würde ich auch gerne einmal Irland mit dem Rad umrunden. Es gibt also noch viel zu sehen und zu erleben und ich berichte, wenn es soweit ist. :)

Radtour2019_Final.jpg Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 963,7 km
Höchster Punkt 560 m (Kneiff)
Tiefster Punkt 0 m (Delft)
Zeit in Fahrt 12 Tage / 53:08 h
Höhenmeter 6050 m auf, 6375 m ab

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Alle Teile im Überblick

Radtour durch Benelux 2019 – Teil 7: Niederlande

Ein halber Tag Strandurlaub

An der Nordsee führte der Weg über das Oosterschelde-Sperrwerk, das zu den Deltawerken gehört. Ich dachte erst, dass hier durch Wasserkraft Strom erzeugt wird. Die Staumauer ist aber zum Schutz vor Sturm und Hochwasser da, damit das sehr niedrig gelegene Land dahinter nicht überflutet wird.

Das Oosterschelde-Sperrwerk aus der Ferne …
Das Oosterschelde-Sperrwerk aus der Ferne …

… und ganz nah.
… und ganz nah.

Für die Übernachtung hatte ich ein paar Tage zuvor geschaut, wo in der Gegend die beste Unterkunft gewesen wäre. Und irgendwie bot sich das Strandhotel De Zeeuwse Stromen in Renesse an. Der Ort selbst ist nicht spektakulär, beim Abendessen wurde ich von einer Blaskapelle unterhalten, was zu den „Highlights“ zählte. Viel schöner war es natürlich am Strand. Da auch das Wetter entsprechend mitspielte, ließ es sich hier sehr gut aushalten und ich konnte gemütlich in der Sonne lesen.

190616_bruegge_renesse.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 88,1 km
Zeit in Fahrt 4:23 h
Höhenmeter 95 m auf, 100 m ab

Kunst in Den Haag

Der Hauptgrund, wieso ich in die Niederlande wollte, war eine Person: Jan Vermeer. Den Namen kannte ich bereits aus den 1990er, da es auf dem C64 (damaliger „PC“) ein Spiel gleichen Namens gab, bei dem die Spieler durch die Gegend reisen, Aktienhandel betreiben, Plantagen pflanzen und abernten und Gemälde verschiedener Künstler ersteigern können. Manche der Kunstwerke waren aber gegebenenfalls von einem Vico Vermeer gefälscht, daher auch der Name des Computerspiels. Mit „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (als Buch von Tracey Chevalier und später als Film mit Colin Firth und Scarlett Johansson) traf ich zahlreiche Jahre später wieder auf den niederländischen Maler. Und deswegen wollte ich Vermeers Heimatstadt Delft (dazu später), aber natürlich auch Vermeers Gemälde sehen. Zwei berühmte (nämlich „Ansicht von Delft“ und „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ sind im Mauritshuis in Den Haag ausgestellt). Und daher stattete ich Den Haag einen Besuch ab.

Der Rittersaal am Binnenhof in Den Haag.
Der Rittersaal am Binnenhof in Den Haag.

Obwohl ich recht früh losfuhr, kam ich erst kurz vor 13 Uhr in Den Haag am Museum an. Das passte sehr gut, da das Museum erst um 13 Uhr öffnete. Die Gemälde zogen sehr viele Besucher an, auch wenn sicherlich der eine oder die andere wegen der Rembrandt-Ausstellung gekommen waren. Jedenfalls haben mir die Gemälde sehr gut gefallen, was ich aber auch schon vorher wusste, sonst wäre ich ja nicht extra deswegen nach Den Haag gefahren. ;) Den Audioguide kann ich bedingt empfehlen, da leider nicht zu allen Gemälden etwas gesagt wird und der Erzähler nicht wahnsinnig spannend klingt. Aber ganz ohne Erklärung finde ich eine Kunstausstellung nicht sehr interessant.

Nach dem Mauritshuis wollte ich eigentlich noch ins Escher-Museum, das montags aber leider geschlossen hatte. Daher machte ich mich sofort auf den Weg nach Delft zu meiner Airbnb-Unterkunft.

Ansicht von Delft

Im Nachhinein war es eine gute Idee, bereits am Nachmittag nach Delft zu fahren. So konnte ich ohne Stress das Vermeer Centrum besuchen. In dem Museum wird das Leben von Vermeer und seine Werke detailliert vorgestellt und analysiert. Ich habe anderthalb Stunden in dem Museum verbracht, mir aber auch Zeit für alle Texte genommen. Einen Besuch kann ich jedem Kunstliebhaber nur empfehlen. Für 9 Euro erhielt ich jedenfalls sehr viele Informationen.

Windmühle mit Nieuwe Kerk und Oude Kerk im Hintergrund.
Windmühle mit Nieuwe Kerk und Oude Kerk im Hintergrund.

Delft selbst ist eine sehr schöne Stadt. Es gibt viele Grachten, an die ich mich hätte setzen können. Die Stadt ist zwar nicht autofrei, im inneren Bereich begegnete ich aber fast nur Radfahrern. Entsprechend ruhig ist es dann auch. Zum Abendessen habe ich mich dann sehr schön und ruhig an einen Kanal ins Eetcafé de Ruif direkt hinter der neuen Kirche gesetzt und die letzten Sonnenstrahlen genossen.

Blick auf Delft mit der Oude Kerk (links).
Blick auf Delft mit der Oude Kerk (links).

Einer der zahlreichen Kanäle.
Einer der zahlreichen Kanäle.

Eine kulinarische, niederländische Köstlichkeit habe ich auch in einer Bäckerei gefunden: Gevulde Koeken sind aus Mürbeteig gebackene Taler mit Marzipanfüllung. Damit erinnern sie geschmacklich sehr stark an die Leipziger Lerchen, die ich schon 2010 auf der Ubucon klasse fand. Die folgenden Tage habe ich immer wieder nach der Leckerei Ausschau gehalten. :)

190617_renesse_delft.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 92,2 km
Zeit in Fahrt 4:44 h
Höhenmeter 160 m auf, 130 m ab

Kirchenaussicht

Bevor ich Delft verließ, wollte ich mir noch beide Kirchen anschauen. Der Eintritt in Höhe von 8,50 Euro umfasst beide Kirchen und auch den Zugang zum Turm. Die Niewe Kerk (Neue Kirche) erinnert im Inneren eher an ein Museum. Viele interaktive Elemente führen in einer Spirale durch die Geschichte Delfts, bis man am Mausoleum von Prinz Wilhelm von Oranien, dem Gründer der Niederlande, ankommt. Highlight war für mich aber der Aufstieg auf den bzw. die Aussicht vom Glockenturm. Morgens um 9 Uhr bot sich mir in circa hundert Metern Höhe eine echt tolle und weite Sicht über die Stadt und deren Kirchen und Kanäle.

Nieuwe Kerk in Delft.
Nieuwe Kerk in Delft.

Blick aufs Delfter Rathaus.
Blick aufs Delfter Rathaus.

Aber auch die Oude Kerk (Alte Kirche) hat mir gefallen. Während ich mir diverse Grabplatten historischer Persönlichkeiten anschaute und auf Infotafeln deren Geschichte durchlas (unter anderen auch von Vermeer), probte gerade ein Glockenspiel-Orchester. Das verlieh der Kirche eine fast schon sakrale Atmosphäre – was ja auch irgendwie passte. Wer in Delft verweilt, sollte sich beide Kirchen anschauen.

An den Grachten entlang

Nach circa anderthalb Stunden Kirchenbesichtigung machte ich mich mit dem Rad auf nach Amsterdam (natürlich nicht ohne einen Gevulde Koeken aus der Bäckerei mitzunehmen). Es ging hauptsächlich an Grachten entlang, an denen sich rechts und links oft weite Wiesen mit Kühen und Schafen und einigen Windmühlen im Hintergrund anschlossen. Von der Szenerie erinnerte mich das stark an „Scythe“, nur dass die Mechs im Bild fehlten. ;)

Endlose Wiesen.
Endlose Wiesen.

Schafe am Kanal.
Schafe am Kanal.

Gegen 15 Uhr kam ich bereits in Amsterdam an. Unsere Unterkunft lag etwas außerhalb in der Stadt Diemen. Für mich war das für die Rückreise drei Tage später ganz praktisch, da ich so in der Nähe an einem der größeren Bahnhöfe einsteigen konnte, um die Heimreise mit dem Zug anzutreten. Und so endete im Prinzip meine Radreise, wenn ich den Weg zum Bahnhof Amstel mal nicht mitzähle.

190618_delft_amsterdam.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 81,0 km
Zeit in Fahrt 4:11 h
Höhenmeter 50 m auf, 50 m ab

Amsterdam

Zwei Tage verbrachten wir in Amsterdam und natürlich reichte diese Zeit nicht aus, um die Stadt in Gänze zu sehen. So gibt es sehr viele Museen, von denen wir fast keines besucht haben. Einzige Ausnahme war ein Besuch in Mikropia, was wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Auch wenn der Eintritt mit 16 Euro nicht sehr preiswert ist, hat es sich dennoch gelohnt. In dem Mini-Zoo lernten wir alles über die kleinsten „Tierchen“ unserer Welt, den Mikroben und Bakterien. Viele konnten wir unter einem Mikroskop anschauen und Texte und Videos erklärten uns, wofür die Winzlinge da waren. Sehr interessant fand ich einen Versuchsaufbau, wo verschiedenes Essen (Ananas, Pommes, Sandwich, Eintopf etc.) in jeweils eigenen Gläsern für mehrere Monate oder gar Jahre gelagert wurde, um den entsprechenden Zerfall und Befall mit Schimmel zeigen zu können. Das war eklig und interessant zugleich! Und ich lernte erstmals persönlich das Bärtierchen kennen, das auch ein bisschen als Maskottchen von Mikropia dient. Wir haben nur nicht herausgefunden, warum es das Bärtierchen gibt, aber zumindest kann es sehr gut überleben – inzwischen sogar auf dem Mond.

Ein Bärtierchen im Mikropia.
Ein Bärtierchen im Mikropia.

An einem Besuch im Anne-Frank-Haus hatten wir zwar großes Interesse, aber die Restkarten am Morgen waren immer sehr schnell ausverkauft bzw. die Online-Warteschlange dafür zu groß. Für den Besuch hätten wir uns wohl schon einige Wochen vorher einen Platz reservieren müssen. Anne Frank begegnete uns dafür auf der Free Walking Tour wieder, auch wenn natürlich noch mehr über Amsterdam erzählt wurde. Der Besuch in Amsterdam war im Übrigen auch der Grund, wieso ich danach das Tagebuch von Anne Frank gelesen habe.

Westerkerk neben dem Anne-Frank-Haus.
Westerkerk neben dem Anne-Frank-Haus.

Ein weiterer Zeitvertreib in Amsterdam war der (bereits vorab geplante) Besuch eines Escape Rooms. Auch wenn die Betreiberin des „GAME OVER“ ein bisschen zu spät kam, nahm das nicht den Spaß am Rätseln. Den Raum, den wir betraten, war „Der verbotene Tempel von Montezuma“, in dem wir unseren Professor suchen sollten. Thematisch war das Setting einfach klasse umgesetzt und es fühlte sich für mich so an, als wäre ich wirklich in einem alten Azteken-Tempel. Die Rätsel waren fordernd und interessant und anders als in bisherigen Escape-Rooms. Wer „zufälligerweise“ einmal in Amsterdam ist, kann dem „GAME OVER“ also ruhig einen Besuch abstatten.

Natürlich kam auch das Essen nicht zu kurz. Neben Gevulde Koeken lernte ich in Amsterdam eine zweite, niederländische Köstlichkeit persönlich kennen: Poffertjes. Die kleinen Pfannkuchen gibt es in verschiedenen Cafés und auch an mindestens einem Straßenstand. Wir haben sie sehr lecker und üppig in einem alten Karussell im Pannenkoekenhuis De Carrousel gegessen. Nach der Portion mit Erdbeeren, Schlagsahne und Nutella waren wir aber auch mehr als gesättigt. Als Nummer Drei der leckeren Sachen will ich auch noch die Stroopwafels (mit Karamell gefüllte Waffeln) erwähnen, an denen man in den Niederlanden eigentlich gar nicht vorbeikommt.

Poffertjes im Pannenkoekenhuis De Carrousel.
Poffertjes im Pannenkoekenhuis De Carrousel.

Eine halbe Stroopwafel.
Eine halbe Stroopwafel.

Ansonsten schlenderten wir oft einfach so durch die Stadt und die Straßen entlang. Amsterdam ist eine sehr schöne Stadt, die ich sicherlich irgendwann noch einmal besuchen werde. Der Aufenthalt war sehr schön und die Stadt hat so viel zu bieten, dass wir uns hier auch mehrere Tage gut beschäftigen könnten.

Dancing Houses in Amsterdam.
Dancing Houses in Amsterdam.

Der Amsterdamer Hauptbahnhof.
Der Amsterdamer Hauptbahnhof.

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 6: Belgien III

Wunderschönes Gent

Gent hat mich vor allem durch seine vielen Kanäle, Brücken und Gebäude beeindruckt. Der frühere Reichtum der Handelsstadt ist immer noch an vielen Straßenecken und Bauwerken sichtbar. Sehr schön und entspannend fand ich die Gegend um die Graslei und die Korenlei am Fluss Leie. Hier kam die (vor allem jüngere) Stadt zusammen und genoss das schöne Wetter. Am Abend nahm ich noch an einer Free Walking Tour teil. Unser Guide Will brachte uns die Geschichte Gents näher und erzählte viel zu unterschiedlichen Gebäuden. Die Tour kann ich auf alle Fälle empfehlen, denn dort schnappte ich zwei gute Hinweise auf.

Die Kirchen von Gent.
Die Kirchen von Gent.

Gemütliches Sitzen an der Leie.
Gemütliches Sitzen an der Leie.

Zum einen musste ich eine der Stadtspezialitäten probieren: Stoofvlees (belgische Biersauce mit Fleischstücken) und Pommes Frites, wobei die Sauce angeblich auf die Pommes gekippt wird. Wer keine matschigen Pommes mag, kann es natürlich auch getrennt essen. Auf Empfehlung ließ ich es mir im „Frituur Tartaar“ schmecken, wo ich sogar zwei andere Tour-Teilnehmer wiedertraf. Die zweite Empfehlung war ein Gemälde: „Das Lamm Gottes“ der Gebrüder van Eyck zählt wohl zu den bedeutendsten Altargemälden Belgiens. Es ist am Genter Altar in der St.-Bavo-Kathedrale zu sehen. Für 4 Euro Eintritt werden die einzelnen Details und die Symbolik des Triptychon-Gemäldes in einem Audio-Guide vorgestellt. In meinen Augen lohnt sich der Besuch!

Sint Niklaaskerk, Belfort und St.-Bavo-Kathedrale.
Sint Niklaaskerk, Belfort und St.-Bavo-Kathedrale.

Kirche Sankt Michael.
Kirche Sankt Michael.

Das Gemälde schaute ich mir am Vormittag des Folgetages an und da es noch regnete, besuchte ich auch noch die Burg Gravensteen an. Den Audio-Guide fand ich sehr witzig, da der Erzähler (ein Hase mit französischem Akzent) nicht nur langweilig und ernst die Geschichte der Burg erzählt, sondern es mitunter auch etwas ausschmückte. So ist die Geschichte von Balduin „Eisenarm“ und seiner Geliebten Judith vielleicht nicht hundertprozentig historisch akkurat, war dafür aber sehr unterhaltsam.

Burg Gravensteen.
Burg Gravensteen.

Auch meine Unterkunft war interessant. Ich übernachtete im Monasterium PoortAckere in einem kleinen Zimmer, das früher von Mönchen als Unterkunft genutzt wurde. Im Kloster gibt es auch eine kleine Kapelle, in der Feierlichkeiten abgehalten werden können. Die Historie des Gebäudes machte es da schon wieder leicht wett, dass es nur (gut ausgestattete) Gemeinschaftsduschen gab. Mir hat die Übernachtung in dem alten Gemäuer sehr gefallen.

Zimmer im Monasterium PoortAckere.
Zimmer im Monasterium PoortAckere.

Damit hatte ich einen echt tollen Aufenthalt in Gent und empfand sie als schönste Stadt von allen, die ich auf meiner Radreise dieses Jahr gesehen habe. Ich denke, dass ich sie irgendwann noch einmal besuchen werde. Und dann wird es bei mir sicherlich auch wieder „stoofvlees mit friet“ geben.

190614_leuven_gent.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 100,6 km
Zeit in Fahrt 5:51 h
Höhenmeter 555 m auf, 615 m ab

Brügge sehen …

Wie schon geschrieben verbrachte ich den Vormittag in Gent und kam auch erst gegen 12 Uhr los. Dafür lag aber auch nur eine kurze Strecke von knapp 50 Kilometern vor mir. Schön an den Grachten entlang konnte ich direkt am Wasser von Gent bis nach Brügge fahren. Brügge ist gegenüber Gent die bekanntere Stadt, was sich auch an der Touristenzahl widerspiegelt. Für mich war Gent eher ein Geheimtipp, um das belgische Leben zu sehen. Brügge dagegen bietet hauptsächlich zwei Sachen: Kanäle und Touristen. Daher erinnerte es mich ein bisschen an Venedig vor drei Jahren, was mir ebenfalls nicht so sehr zusagte.

Gemütlich an der Gracht entlang.
Gemütlich an der Gracht entlang.

Kanal mit Blick auf die Liebfrauenkirche.
Kanal mit Blick auf die Liebfrauenkirche.

Um die Stadt richtig kennenzulernen, nahm ich auch hier wieder an einer Free Walking Tour am Abend teil. So kamen wir am Brügger Belfried und am Provinciaal Hof vorbei. Vor allem aber das Ende der Tour außerhalb der Innenstadt bei untergehender Sonne neben einer Windmühle hatte schon etwas Besonderes. Davon abgesehen erzählte unser Guide ebenfalls wieder viel über die Historie der Stadt, vor allem sein Bezug als Handelsstadt und die Probleme mit dem damaligen König.

Brügger Belfried.
Brügger Belfried.

Windmühle im Abendrot.
Windmühle im Abendrot.

Vor der Stadtführung am Abend wollte ich eigentlich noch in die Dali-Ausstellung in der Stadthalle, die aber leider schon sehr früh schloss. Und den Belfried fand ich für 12 Euro etwas zu teuer, nur um einen Blick auf die Stadt von oben werfen zu können. Stattdessen bin ich ins Foltermuseum Oude Steen gegangen, was zahlreiche Foltermethoden und -instrumente vorstellt. Das ist ganz interessant, aber nach dem zehnten Instrument auch etwas wiederholend und es dauerte auch nur eine Stunde, bis ich alles angeschaut und durchgelesen hatte. Im Nachhinein hätte ich mich wohl eher für das Historium entscheiden sollen, welches viel von Brügge im Mittelalter zeigt und man per 3-D-Brille erleben kann. Aber es muss ja einen Grund geben, noch einmal nach Brügge zu kommen.

Gebäude am Burgplatz in Brügge.
Gebäude am Burgplatz in Brügge.

Was ich in diesem Kontext im Übrigen sehr empfehlen kann, sind die Touristenführer von Use-it Travel. Diese nicht-kommerziellen und kostenlosen Reiseführer gibt es zum Beispiel von Leuven, Brüssel, Gent und Brügge. Die Besonderheit sind die Empfehlungen von Einwohnern der jeweiligen Stadt, mit denen man eher ein reales Bild etwas abseits von den Standard-Touristen-Sehenswürdigkeiten erhält. Ich fand einige der Empfehlungen jedenfalls sehr hilfreich.

190615_gent_bruegge.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 48,3 km
Zeit in Fahrt 2:22 h
Höhenmeter 60 m auf, 65 m ab

… und Belgien verlassen

Von Brügge aus ging es noch weiter nach Nordwesten bis an die Nordsee. Auch hier konnte ich wieder sehr schön an Grachten entlang fahren, bis ich aufs Meer traf. Mit dem Wind im Rücken ging es die Küste entlang bis nach Breskens (manchen Blog-Lesern ggf. wegen der DANTE-Tagung 2012 ein Begriff). Und dort verließ ich belgischen Boden, da ich mit der Westerschelde-Fähre in die Niederlande übersetzte. Alternativ hatte ich überlegt, „außen herum“ über Rotterdam zu fahren. Der Weg war mir aber zu weit und passte nicht so ganz in die restliche Zeiteinteilung.

Hier weiß man sofort, wie der Wind weht.
Hier weiß man sofort, wie der Wind weht.

Endlich an der Nordsee.
Endlich an der Nordsee.

Ein Leuchtturm am Ende von Belgien.
Ein Leuchtturm am Ende von Belgien.

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 5: Belgien II

Besuch beim Löwen

Am nächsten Tag ging es früh los und dank Rückenwind war ich sehr früh am Zielort in Leuven. Die Stadt wollte ich mir anschauen, da sie recht hübsch sein sollte. Dies kann ich nach meinem Besuch auch bestätigen. An eine Stadtführung dachte ich leider zu spät und machte mich daher selbst zu Fuß auf durch die Stadt. Vor allem viele historische Gebäude gibt es zu sehen, unter anderem das Rathaus als Bauwerk der Spätgotik. Einmal täglich gibt es eine Führung, wofür ich aber leider zu spät war bzw. mich hätte vorher anmelden müssen.

Rathaus von Leuven.
Rathaus von Leuven.

Kleiner Kanal in der Stadt.
Kleiner Kanal in der Stadt.

Dafür konnte ich in der Sint Pieterskirk zahlreiche Gemälde anschauen, auch wenn die Kirche selbst gerade im Umbau war. Danach bin ich noch in die Universitätsbibliothek der Katholieke Universiteit Leuven gegangen, die ebenfalls sehr interessant war. Ein Audioguide führte mich durch die verschiedenen Säle und Zimmer. Ganz leise durfte ich sogar einen Blick in den Lesesaal werfen, in dem die Studenten fleißig lernten. Höhepunkt (kleiner Wortwitz) war der Turm, von dem ich eine tolle Sicht über Leuven hatte.

Sint Pieterskirk.
Sint Pieterskirk.

Die Universitätsbibliothek mit Turm.
Die Universitätsbibliothek mit Turm.

Nebenbei gibt es noch andere Sehenswürdigkeiten: Der große Beginenhof ist vermutlich nur mit Erklärung richtig interessant, wobei es ganz nett war, durch das Viertel mit seinen alten Backsteinhäusern zu laufen. Dem Hafenviertel Vaartkom wiederum konnte ich nichts abgewinnen. Es gab dort einfach nichts zu sehen. Am Ende landete ich im botanischen Garten „Hortus Botanicus Lovaniensis“, in dem ich nach der Radreise und der Stadtbesichtigung entspannte. Alles in allem ist Leuven eine schöne und interessante Stadt, aber vor allem in Hinblick auf meine weitere Reise habe ich schönere Städte gesehen.

Der große Beginenhof.
Der große Beginenhof.

Im botanischen Garten von Leuven.
Im botanischen Garten von Leuven.

Mit dem Löwen (als Tier) hat die Stadt im Übrigen nichts zu tun.

190613_namur_leuven.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 66 km
Zeit in Fahrt 3:43 h
Höhenmeter 335 m auf, 405 m ab

Einmal durch Brüssel

Da ich Brüssel nicht als die sehenswürdigste Stadt meiner Reise empfand, machte ich dort nur kurz Halt. Wichtig war natürlich, dass ich mir den Manneken Pis anschaute, der diesmal im Hard-Rock-T-Shirt auftrat. Nur deswegen in die Innenstadt zu fahren, wäre aber etwas zu übertrieben, daher besuchte ich auch noch das Brüsseler Stadtmuseum am Grote Markt. Das Museum ist im „Maison du Roi/Broodhuis” untergebracht und stellt wirklich sehr viele Artefakte und Kunstwerke aus. Mit dem Handy konnte ich mich über das Wifi-Netz auf der Webseite des Museums einloggen und so Informationen zu den unterschiedlichen Objekten abfragen. Einige Informationen fand ich etwas zu kurz gehalten, ein Besuch lohnt sich dennoch. Sehr eindrucksvoll am Grote Markt ist auch das gotische Rathaus.

Der Manneken Pis.
Der Manneken Pis.

Das gotische Rathaus in Brüssel.
Das gotische Rathaus in Brüssel.

Ein zweiter Grund, wieso ich nach Brüssel wollte, war das Atomium, was aber recht weit nördlich der Brüsseler Innenstadt liegt. Dennoch bin ich froh, dort hingefahren zu sein, denn die Größe des Bauwerks war echt beeindruckend. Ich hatte ein relativ kleines, vielleicht zwanzig Meter hohes Objekt erwartet. Aber dass alleine eine der Kugeln bereits 18 Meter groß sind, hatte ich im Vorfeld nicht gedacht. Mir reichte aber der eindrucksvolle Blick von außen, ich musste das Atomium selbst nicht von innen anschauen, zumal sehr viele andere Besucher und Touristen ebenfalls dort waren.

Das Atomium.
Das Atomium.

Wegen der Sperrung eines Dammes (was ich auf Niederländisch leider nicht korrekt gelesen hatte) musste ich einen kleinen Umweg machen und kam so etwas später als gewünscht in Gent an. Glücklicherweise hatte ich mich entschieden, am Folgetag nur eine kurze Strecke zu fahren, sodass ich für Gent den ganzen Abend und den nächsten Vormittag zum Anschauen hatte, was ich auch unbedingt empfehle, denn es lohnt sich wirklich.

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 4: Belgien I

Die Felsenburg

Obwohl mit der Urt ein Fluss durch die belgischen Ardennen führt, gab es leider keinen Radweg an ihr entlang. Deshalb musste ich in Belgien etwas weiter südlich über Bastogne die Ardennen überqueren. Direkt hinter der luxemburgischen Grenze fängt bei Limerlé ein Radweg an, der bis nach Bastogne geht. Und so schön ein gut ausgebauter Radweg auch ist, so langweilig fuhr sich dieser. Es ging 25 Kilometer nur geradeaus ohne Steigung durch Wald und Bäume ohne Blick auf irgendetwas. Viel Abwechslung war das also nicht.

Daher freute ich mich, dass ich in Bastogne einen 90-Grad-Richtungswechsel einschlagen konnte und über diverse kleine Straßen und Waldwege mir meinen Weg bis nach Rochefort bahnte. Den Ort hatte ich gar nicht wegen der tollen Sehenswürdigkeiten ausgesucht (bis auf die „Église décanale de la Visitation de la Saint-Vierge“ gab es auch kaum etwas zu sehen), sondern aufgrund seiner Nähe zu meinem nächsten Sightseeing-Punkt.

Eglise décanale de la Visitation de la Saint-Vierge.
Eglise décanale de la Visitation de la Saint-Vierge.

Nach der Erfahrung in Esch-sur-Alzette mit Airbnb war ich zwar etwas skeptisch, probierte es mangels Alternativen in Rochefort aber noch einmal. Dieses Mal hatte ich einen sehr guten Treffer: ein eigenes Stockwerk unter dem Dach für mich, sehr sauber und sogar mit Wasserkocher ausgestattet, was selbst manche Hotels nicht bieten. Das gemütliche Zimmer war auch praktisch, denn Rochefort als Ort bietet wirklich nicht so viel zu sehen. Die Tropfsteinhöhle von Lorette hatte im Juni leider nur am Wochenende auf. Auch die meisten Restaurants waren wegen Pfingsten noch bis zum Folgetag geschlossen. Es war aber auch okay, dass ich an dem Tag nicht mehr Sightseeing gemacht habe, denn die 110 Kilometer auf dem Rad steckten mir etwas in den Beinen. So habe ich auch die Burgruine, die der Stadt ihren Namen gab, nicht besucht. Zusätzlich gab auch noch meine Kamera ihren Dienst auf, sodass ich fortan nur noch mein Handy für Urlaubsbilder zur Verfügung hatte.

190611_eschsursure_rochefort.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 110,4 km
Zeit in Fahrt 6:12 h
Höhenmeter 1105 m auf, 1405 m ab

In der Höhle

Der Grund, wieso ich in Rochefort übernachtet habe, war der Besuch der Höhle von Han-sur-Lesse (Grottes-de-Han). Beim Aufstehen regnete es leider sehr stark, sodass ich entsprechend nass bei der Höhle ankam. Wichtig ist, dass der Startpunkt nicht am Höhleneingang, sondern im Besucherzentrum in der Stadtmitte ist. Ich stellte mein Rad an der Kirche ab, kaufte mir für 21 Euro ein Ticket und trocknete bis zum Einlass vor mich hin.

Um 10 Uhr kam eine kleine Bimmelbahn, die alle Besucher zum Eingang der Grotte brachte. Dort gab es dann zwei Reihen für unterschiedliche Sprachen: Entweder Französisch oder Niederländisch. Ich entschied mich für niederländisch, weil dort nur zwei andere Besucher standen. Es war aber egal, da der Höhlenführer eh die gesamte Gruppe leitete und alles auf Niederländisch und dann auf Französisch erklärte und manchmal für mich noch häppchenweise Englisch einstreute. Aus diesem Sprachkonglomerat konnte ich aber sogar einige Informationen mitnehmen. Es half sicherlich, dass es nicht meine erste Tropfsteinhöhle war. Und obwohl ich schon viele gesehen hatte, war auch diese wieder sehr beeindruckend. Vor allem die Videoshow „Origin“ an den Felswänden am Ende der Tour, welche die Entstehung und Entdeckung der Höhle zeigen, war großartig. Im Eintrittspreis inbegriffen war auch ein Besuch von Prehistohan, welches nach der Tour besucht werden hätte können. Aus Zeitgründen habe ich mich aber dagegen entschieden, die Ausgrabungsfundstücke anzuschauen.

Ein gefährliches Tropfsteinhöhlenmonster in Han-sur-Lesse.
Ein gefährliches Tropfsteinhöhlenmonster in Han-sur-Lesse.

Videoshow „Origin“ in der Grottes-de-Han.
Videoshow „Origin“ in der Grottes-de-Han.

Über Stock und Stein nach Namur

Nach der sehr schönen Höhlentour ging es weiter auf dem Rad. Leider erlaubte sich mein Navi bzw. das Routing von Openrouteservice Maps einen Spaß und wollte mich mit dem Rad einen „Weg“ entlang schicken, der selbst mit einem Mountainbike nicht machbar gewesen wäre (OSM-Einstufung mtb:scale=5). Leider stellte ich das aber erst am Fuße des Pfades selbst fest und der Weg zurück war mir zu lang. Also sattelte ich ab und trug zuerst meine beiden Gepäcktaschen und danach das Fahrrad auf dem Rücken die circa 500 Meter lange, aber vor allem 50 Höhenmeter umfassende Strecke den Berg hinauf.

Hier blieb mir nur Tragen übrig.
Hier blieb mir nur Tragen übrig.

Danach ging es glücklicherweise etwas entspannter weiter. An der Maas entlang kam ich nach Dinant. Dort machte ich aber nur für ein paar Fotos vom Bayardfelsen und der Stiftskirche Notre-Dame de Dinant direkt vor der Zitadelle hoch oben auf dem Berg halt. In dem Ort lohnt es sich ggf. mal einen Tag länger zu verbringen.

Der Bayardfelsen in Dinant.
Der Bayardfelsen in Dinant.

Stiftskirche Notre-Dame de Dinant vor der Zitadelle (oben).
Stiftskirche Notre-Dame de Dinant vor der Zitadelle (oben).

Mein Ziel war aber Namur. Mein Airbnb-Host stand erst ab 18 Uhr zur Verfügung, sodass ich vorher noch zur Zitadelle gelaufen bin. Zeitlich war es dennoch etwas knapp, denn die Festung schloss um 18 Uhr ihre Tore. Und so konnte ich nur einen kleinen Teil begehen und hauptsächlich die Aussicht von oben auf die Stadt genießen. Namur selbst als Stadt war ganz okay, ich habe aufgrund meiner späten Ankunft aber nicht wirklich viel von ihr gesehen. Neben der Zitadelle habe ich nur die Kathedrale Saint-Aubain von außen betrachtet und saß im „Parc Louise Marie“ zum Lesen.

Zitadelle von Namur aus der Ferne.
Zitadelle von Namur aus der Ferne.

Blick auf Namur.
Blick auf Namur.

Das Wahrzeichen von Namur: Eine goldene Schildkröte mit Reiter.
Das Wahrzeichen von Namur: Eine goldene Schildkröte mit Reiter.

Kathedrale Saint-Aubain.
Kathedrale Saint-Aubain.

190612_rochefort_namur.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 68,6 km
Zeit in Fahrt 3:49 h
Höhenmeter 440 m auf, 510 m ab

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 3: Luxemburg II

Burg Vianden

Aufgrund der zurückgelegten Strecke und der Höhenmeter vom Vortag entschied ich mich, eine Etappe etwas kürzer zu treten und weniger zu fahren. Mein erster Stopp führte mich zurück an die deutsche Grenze nach Vianden, wo ich mir die Burg anschauen wollte. Sie thront über der Stadt und ist trotz der Pflastersteine gut mit dem Rad zu erreichen.

Burg Vianden.
Burg Vianden.

Blick auf die Unterstadt.
Blick auf die Unterstadt.

Mit Audio-Guide ausgerüstet verbrachte ich circa anderthalb Stunden in der Burg und fand es sehr interessant. Der Aufbau über drei Stockwerke ist größtenteils sehr gut erklärt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir zur Einrichtung noch mehr Informationen gewünscht, aber ich kann den Besuch auf der sehr schönen Burg nur empfehlen, wenn man in der Gegend (beispielsweise in Trier) ist.

Danach ging es wieder zurück Richtung westlicher Landesgrenze und Richtung Belgien. Die Fahrt nach Brandenbourg ließ mich schmunzeln, die gleichnamige Burg schaute ich aber nur vom Rad aus an. Mein Ziel war nämlich der Fluss Sauer.

Burg Brandenbourg.
Burg Brandenbourg.

Barrage

Der Radweg an der Sauer entlang ist sehr schön. Es geht ein kleines bisschen bergauf und bergab und natürlich schön geschlängelt durch die umliegenden Berge. Den Weg auf mich genommen habe ich, um den Obersauer-Stausee (gehalten durch den „Barrage d'Esch-sur-Sûre“, daher auch der Abschnittsname) anzuschauen. Ein Hotel fand ich in Esch–sur–Sûre, dazu gleich noch ein Wellnesshotel mit Sauna und Massage, was ich mir echt verdient hatte. ;)

Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm.
Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm.

Vor der Erholung stand aber noch eine Wanderung zum Stausee an. Vom Hotel zum Staudamm sind es ungefähr anderthalb Kilometer, die man gut zu Fuß zurücklegen kann. Den Stausee richtig anschauen konnte ich (dank OpenStreetMap) von einem Aussichtspunkt, der etwas oberhalb des Sees liegt. Ich gebe aber zu: Es ist eine große Betonmauer und viel Wasser dahinter! Hauptsächlich wollte ich auch dahin, weil ich passenderweise noch auf meine Kickstarter-Ausgabe von Barrage wartete.

Blick auf den Stausee.
Blick auf den Stausee.

Vom Stausee bin ich dann zurück zur Stadt und dort über einen kleinen Rundweg durch den Wald um die Stadt herum gelaufen. Hier konnte ich auch sehr schön die Burg mit Kapelle und den Aussichtsturm der Stadt sehen. Es gibt auch noch einen weiteren, etwas höher gelegenen Wanderweg, den ich aber nicht gelaufen bin.

Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm aus einer anderen Perspektive.
Burg Esch-Sauer mit Kapelle und dem Aussichtsturm aus einer anderen Perspektive.

Beim Wandern traf ich auch eine Schlange.
Beim Wandern traf ich auch eine Schlange.

Mir hat Esch-sur-Sûre sehr gefallen. Das „Hotel de la Sûre“ war echt gut und erholsam, die Gegend um den Naturpark lädt zu einigen Wanderungen ein. Und auch der Weg auf dem Rad dorthin war sehr angenehm.

190610_larochette_eschsursure.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 69,0 km
Zeit in Fahrt 4:15 h
Höhenmeter 1070 m auf, 1065 m ab

Auf dem höchsten Berg

Von Esch-sur-Sûre sollte es nach Belgien gehen. Prinzipiell ist das kein Problem, die Grenze war nur 15 Kilometer entfernt. Ich hatte mir aber auch noch in den Kopf gesetzt, den höchsten Punkt Luxemburgs mit dem Rad zu erklimmen. Dieser lag aber ganz im Norden des Landes. Da ich das zeitlich nicht geschafft hätte, kürzte ich also etwas ab und nahm die Bahn. :)

Morgennebel im Wald.
Morgennebel im Wald.

Der Weg führte daher zurück an der Sauer bis nach Goebelsmühle. Für gerade einmal zwei Euro konnte ich ein Ticket bis nach Troisvierges kaufen, was immerhin 34 Kilometer Entfernung waren. 34 Kilometer, die ich sehr gerne gespart habe. Dadurch hatte ich zwar auch Clervaux verpasst, wo ich mir ursprünglich das Schloss anschauen wollte, aber das war in Ordnung.

Um 10:30 Uhr stand ich dann auf der höchsten Erhebung von Luxemburg: dem Kneiff mit 560 m Höhe. Bis auf den „Gipfelstein“ zeugte nichts davon, dass dort ein besonders hoher Punkt ist. Zumal es für mich auch so aussah, als gehe es noch weiter bergauf. Aber irgendwer hat das bestimmt korrekt vermessen.

Auf dem Gipfel des Kneiff.
Auf dem Gipfel des Kneiff.

Und das waren auch schon meine Erfahrungen in Luxemburg, das ich recht zielstrebig auf eine etwas wirre Art und Weise durchquert habe. Belgien sollte da etwas geradliniger werden …

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 2: Luxemburg I

Das erste Mal in Luxemburg (Land)

Eigentlich wollte ich die Route nach Luxemburg über Bettembourg machen. Da ich aber wusste, dass ich am Folgetag ein paar Kilometer mehr fahren musste, kürzte ich etwas ab und fuhr bei Dudelange über die Grenze – die aber wie schon zuvor nach Frankreich nicht wirklich als solche zu erkennen war. Einzig ein Verkehrsschild mit den neuen Tempolimits wies mich darauf hin, dass ich jetzt in Luxemburg war.

In Luxemburg hatte ich mir eine Unterkunft in Esch-sur-Alzette gesucht. Meine Annahme war, dass es in Luxemburg-Stadt zu teuer ist und ein nahegelegener Ort deswegen besser wäre. Im Nachhinein stellte sich das als Fehler heraus. Zum einen war die per Airbnb gebucht Unterkunft echt grausig. Ich war 30 Minuten zu früh und so begrüßte mich der Mitbewohner in Unterhose liegend auf der Couch. Mit der Sauberkeit war es leider auch nicht so weit her, denn in der ganzen Wohnung klebte der Fußboden. Vor allem im Bad ließ ich die Socken (und später die Schuhe) an. Diese waren danach dreckiger als nach einem Tag auf dem Rad. Es war also nicht so angenehm, dort zu übernachten.

Zum anderen ist Esch-sur-Alzette keine schöne Stadt. Sie dient vermutlich eher dem normalen Arbeitsleben und Wohnen, weniger dem Sightseeing. In der Stadt fand gerade ein kleines Stadtfest statt mit Karussell, Riesenrad und einigen Essbuden. Da ich das nicht so interessant fand, bin ich lieber zum Bahnhof gelaufen, um dort mit dem Fahrstuhl nach oben und dann über eine moderne Brücke zum Stadtpark auf dem Gaalgebierg zu gelangen. Der Stadtpark ist sehr hübsch und ich konnte es mir mit einem Buch auf einer Bank bequem machen – zumindest nachdem der kurze Regenschauer vorbei war. Ich hatte auch etwas Zeit, die circa 1,5 Kilometer zum „Escher Deierepark“ zu laufen. Der kleine Tierpark ist kostenfrei und bietet vor allem lokale Tiere wie Rehe, Ziegen und Hasen. Aber auch Waschbären und Hochland-Rinder habe ich entdeckt. Der Park ist sicherlich nicht spektakulär, aber es war immerhin das Highlight von Esch-sur-Alzette.

Die Brücke in Esch-sur-Alzette.
Die Brücke in Esch-sur-Alzette.

Stadtpark auf dem Gaalgebierg.
Stadtpark auf dem Gaalgebierg.

Im Escher Deierepark gibt es auch Hochlandrinder.
Im Escher Deierepark gibt es auch Hochlandrinder.

190608_metz_eschsuralzette.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 70,2 km
Zeit in Fahrt 4:17 h
Höhenmeter 510 m auf, 275 m ab

Das erste Mal in Luxemburg (Stadt)

Am nächsten Tag gab es Frühstück beim Bäcker (wieder Pain au Chocolat) und es ging nach Luxemburg, in die Hauptstadt des Landes. Begrüßt wurde ich von der Gëlle Fra, einem Mahnmal am „Place de la Constitution“. Gleich daneben liegt die Kathedral Notre Dame, die ich aber nicht besuchte, sondern dort nur mein Rad für den Stadtrundgang abstellte.

Gëlle Fra am Place de la Constitution.
Gëlle Fra am Place de la Constitution.

Ich hatte mir leider nicht viel Zeit für Luxemburg genommen. Die Empfehlung im Touristencenter war daher vor allem die Kasematten anzuschauen. Diese in Fels gehauenen Höhlen dienten zu Verteidigungszwecken in diversen Kriegen. Auch wenn man die Höhlen alleine besichtigen kann, bevorzugte ich die Führung, bei der ich noch einige geschichtliche Hintergründe mehr erfahren konnte. In den unteren Teil der Stadt, nach Grund, bin ich nicht gegangen, dafür war der Weg „Chemin de la Corniche“ zurück zu meinem Rad echt sehr schön. Von hier hatte ich einen tollen Blick auf das Petruss-Tal, die Alzette und die Stadtmauer.

Blick auf das Petruss-Tal und die Alzette.
Blick auf das Petruss-Tal und die Alzette.

Stadtmauer und Kasematten von Luxemburg.
Stadtmauer und Kasematten von Luxemburg.

Luxemburg als Stadt hat mir sehr gut gefallen. Im Nachhinein weiß ich, dass die Übernachtung in Esch-sur-Alzette ein Fehler war. Und leider hatte ich aufgrund meiner weiteren Wegplanung auch nicht mehr Zeit, um mir Luxemburg anzuschauen. Aber es muss ja einen Grund geben, noch einmal einen Wochenendtrip in diese schöne Stadt zu machen.

Auf der Suche nach den Wölfen

Von Luxemburg wollte ich ursprünglich bis nach Echternach an der deutschen Grenze, dort ein Zimmer nehmen und mir in Ruhe die Wolfsschlucht anschauen (die nichts mit echten Wölfen zu tun hat). Leider waren in Echternach alle Zimmer belegt. Also entschied ich, nur „schnell“ zur Schlucht zu fahren, diese „kurz“ zu durchqueren und woanders ein Zimmer zu suchen (siehe unten). Auf dem Weg nach Echternach begegneten mir viele Wanderer und auch in Echternach war sehr viel los, was erklärte, wieso ich kein Zimmer mehr finden konnte. Da die Schlucht ein Teil des Mullerthal Trails ist, ist in der Wandersaison in Echternach vermutlich immer viel los.

Nach zweieinhalb Stunden war ich in Echternach und wollte die Schlucht besuchen. Erst fand ich nicht den richtigen Eingang und dann schien ich die Schlucht auch noch falsch herum abzulaufen. Die Beschilderung war da nicht ganz eindeutig. Der Weg führte jedenfalls durch sehr viel Wald bis zur Wolfsschlucht. Die steilen Wände und die provisorischen Treppen sind schon beeindruckend – und anstrengend zu laufen. Aber den Weg dorthin und danach zurück fand ich eher nicht so spannend, da es keinerlei Aussicht zu genießen gab. Hauptsächlich lief ich eben durch sehr viel Wald. Die Bergtouren im Balkan haben mir da wesentlich besser gefallen.

Schlucht auf dem Weg nach Echternach.
Schlucht auf dem Weg nach Echternach.

Die Wolfsschlucht.
Die Wolfsschlucht.

Nach dem strammen Fünf-Kilometer-Fußmarsch ging es zurück aufs Rad. Mit günstigen Zimmern war die Region leider nicht gesegnet, sodass ich nicht einmal an der Sauer, entlang meines eigentlichen Weges, bleiben konnte. Das „woanders“ von oben lag daher 20 Kilometer landeinwärts in Larochette (deutsch: Fels) über ein paar Hügelketten. Immerhin gab es ein preiswertes Einzelzimmer in der dortigen Jugendherberge.

Die Burg in Larochette.
Die Burg in Larochette.

190609_eschsuralzette_larochette.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 89,9 km
Zeit in Fahrt 5:10 h
Höhenmeter 1145 m auf, 1125 m ab

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Radtour durch Benelux 2019 – Teil 1: Vorbereitung und Frankreich

Es ist kaum zu glauben, aber ich habe immer noch nicht alle Nachbarländer Deutschlands besucht und erst recht nicht alle Länder Europas. Dieses Jahr wollte ich gleich drei Länder von der Liste streichen und mit dem Rad durch Luxemburg, Belgien und Niederlande fahren.

Offline-Planung

Als Vorbereitung lieh mir ein Freund einige Rad- und Autokarten der Region. Ich besorgte mir aber zusätzlich noch zwei eigene Offline-Karten. Von der Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ habe ich mir eine recht gute Radkarte für Luxemburg besorgt. Und dann zusätzlich noch eine Karte für Niederlande Süd, da ich nicht weiter als bis nach Amsterdam fahren wollte.

Wieso überhaupt noch Offline-Karten? Zum einen als Backup, falls wider Erwarten die elektronischen Geräte auf der Reise alle ausfallen und ich nicht weiß, wo ich mich befinde. Ehrlich gesagt würde ich in den meisten europäischen Ländern auch ohne Karte problemlos wieder in die Zivilisation zurückfinden, aber sicher ist sicher. Viel eher brauchte ich die Karten, um vorab den Routenverlauf zu bestimmen. Digital kann ich mir einfach keinen so guten Überblick verschaffen. Analog lege ich die Karten auf dem Fußboden aus und kann bei Bedarf „hineinzoomen“ (also mich hinknien und näher herangehen), sehe aber immer noch ohne Probleme das langfristige Ziel (wenn ich den Kopf etwas hebe). Zusätzlich haben die meisten Radkarten interessante Orte bereits markiert, sodass ich ein besseres Gefühl erhalte, wo es sich ggf. lohnt vorbeizufahren.

Online-Planung

Als ich die wesentlichen Orte und Sehenswürdigkeiten zusammengesucht hatte, ging es an die Feinplanung. Wie immer nutzte ich dafür Openrouteservice Maps, welches auf dem OpenStreetMap-Kartenmaterial aufsetzt. Das Fahrrad-Routing beachtet die Radwege und so ist das Standardrouting meist sehr gut.

Für die Nachbereitung habe ich dieses Jahr neu QMapShack eingesetzt. In das Programm konnte ich die von meinem Garmin Oregon 450 aufgezeichneten GPX-Tracks laden und so leicht die Werte für Streckenlänge, Dauer und Höhenmeter ablesen, die dann auch hier in den Bericht eingeflossen sind. Auch die Kartenscreenshots habe ich mit dem Programm erstellt.

Und wie immer habe ich meine Navigationskarten für mein Garmin mit der Radkarte für Luxemburg, Belgien und Niederlanden erstellt. Eine Anleitung dafür findet ihr hier im Blog.

Unterkünfte

Wie auch die Jahre zuvor schaute ich meist am Vortag auf Booking.com nach einer Unterkunft, denn in der Regel wusste ich erst da wirklich, wie weit ich am Folgetag fahren wollte/konnte. Das ging meist unproblematisch, ich fand immer ein Zimmer. Manchmal waren aber nur sehr teure Unterkünfte übrig.

Aus dem Grund nutzte ich zusätzlich noch Airbnb, wobei ich immer noch nicht verstehe, wofür das letzte „b“ stehen soll. Frühstück gab es jedenfalls nie. Meine Erfahrung mit den Unterkünften ist sehr gemischt. Von einem extrem dreckigen Zimmer kam ich auch zu einem sehr schön eingerichteten, was fast an ein Hotel erinnerte. Und dazwischen gab es das, was ich von Airbnb auch erwartet hatte, nämlich Schlafen auf einer Couch in einem kleinen Zimmer. Insgesamt war Airbnb eine gute Erfahrung, denn die Preise sind oft besser als in den Hotels. Richtig in Kontakt kam ich mit den Gastgebern dabei aber nicht wirklich. Diese haben schließlich ihr eigenes Leben und sind nicht für meine Bespaßung da.

An zwei Tagen kam ich auch in Jugendherbergen unter. Diese waren vom Preis-/Leistungsverhältnis echt unschlagbar. Einmal hatte ich Glück und hatte ein Zimmer ganz für mich allein. Ansonsten schlief ich in einem Mehrbettzimmer, was der Standardfall ist, wenn man in Jugendherbergen übernachtet.

Auf nach Frankreich

Mein Ziel war es, Luxemburg einmal komplett von Süden nach Norden zu durchqueren. Da Luxemburg südlich aber an Frankreich angrenzt, entschied ich mich, von Deutschland aus erst nach Frankreich zu fahren. Den sinnvollsten Übergang habe ich bei Saarbrücken gesehen. Da ich die Strecke von Stuttgart nach Saarbrücken aber bereits 2014 erkundet hatte, fuhr ich mit dem Zug bis nach Saarbrücken und setzte mich erst dort aufs Rad.

Von Saarbrücken aus ging es schnell Richtung französischer Grenze. Nach 30 Kilometern war ich bereits in Creutzwald und konnte am See im „Parc de la Bisten“ einen ersten Zwischenstopp einlegen. Bei der Weiterfahrt zogen am Horizont sehr dunkle Wolken auf. Glücklicherweise zogen sie düster nördlich an mir vorbei, sodass ich die ganze Strecke über trocken blieb.

Parc de la Bisten in Creutzwald.
Parc de la Bisten in Creutzwald.

Düstere Wolken zogen auf.
Düstere Wolken zogen auf.

Als Ziel auf französischer Seite hatte ich mir Metz ausgesucht, weil die Stadt sehr schön sein soll – was ich bestätigen kann. Vor allem die Kathedrale überragt das Stadtbild und sieht überwältigend aus. Auch von innen fand ich vor allem die Buntglasfenster, durch die das Licht durchschien, sehr schön. Nach dem Besuch der Kathedrale lief ich durch die Altstadt mit seinen vielen Geschäften. Daneben schaute ich mir unter anderem den Temple Neuf (evangelische Stadtkirche), das Porte des Allemands, den Stadtpark und auch den Bahnhof (wo ich gegenüber im Hotel Alérion untergekommen war) an. Sicherlich könnte man auch ein gemütliches Wochenende in Metz verbringen.

Kathedrale von Metz.
Kathedrale von Metz.

Die Buntglasfenster in der Kathedrale.
Die Buntglasfenster in der Kathedrale.

Porte des Allemands.
Porte des Allemands.

Temple Neuf.
Temple Neuf.

190607_saarbruecken_metz.png Copyright: OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Strecke 79,4 km
Zeit in Fahrt 4:11 h
Höhenmeter 525 m auf, 630 m ab

Die letzten Meter in Frankreich

Da mir das Frühstück im Hotel etwas zu teuer war, holte ich mir ein klassisches Pain au Chocolat vom Carrefour. Das Pain au Chocolat sollte auch in Luxemburg mein stetiger Begleiter sein, da ich mindestens ein Stück dieser Leckerei pro Tag verdrückte. Glücklicherweise konnte ich mich selbst immer damit herausreden, dass ich die Energie auf dem Rad brauchte …

An der Mosel entlang ging es immer weiter Richtung Norden. Südlich von Thionville, in Uckange, wollte ich mir den „Jardin des Traces“ anschauen. Der Garten soll an die Eisenverhüttung und deren Arbeiter erinnern, denn direkt daneben befindet sich als Industriedenkmal ein altes Eisenhüttenwerk. Ich fand vor fünf Jahren die Völklinger Hütte schon sehr beeindruckend, leider hatte der „Garten“ aber erst am Nachmittag auf. Daher musste ich ohne Besichtigung weiterfahren. Luxemburg war ganz nah …

Kleine Wegsperrung.
Kleine Wegsperrung.

Das alte Eisenhüttenwerk im Jardin des Traces.
Das alte Eisenhüttenwerk im Jardin des Traces.

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Kurztrip nach Göteborg 2019

Einleitung

Schweden habe ich das letzte Mal vor fünf Jahren auf meiner Reise nach Kopenhagen besucht. Damals war es ein eher kurzer Aufenthalt mit dem Rad zwischen Trelleborg und Malmö.

Dieses Jahr besuchte ich Schweden ein wenig länger. Geplant war ein kurzer Städtetrip nach Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens.

Reise nach und in Göteborg

Unser Flug war leider etwas verspätet, sodass wir am ersten Tag nicht wie gedacht um 13 Uhr in Göteborg landeten, sondern erst drei Stunden später. Alle 12 Minuten fahren Busse (Flygsbussa/FLYG) direkt vom Hauptausgang des Flughafenterminals nach Göteborg. In der Stadt hält der Bus auch an verschiedenen Stationen, wobei wir bis zur Endstation Hauptbahnhof durchfuhren. Die Fahrkarte kostet 215 SEK = ca. 20 Euro für Hin- und Rückfahrt und ist einen Monat ab Kauf gültig.

Unser Hotel am Hafen Stenpiren.
Unser Hotel am Hafen Stenpiren.

Wer eine Göteborg-Reise plant, stolpert früher oder später über den Göteborg-Pass. Mit diesem erhält man freien Eintritt zu einigen Attraktionen und kann auch kostenlos mit den Västtrafik-Bussen und -Bahnen fahren. Da das Wetter für das Wochenende aber ganz gut aussah, planten wir gar nicht in irgendwelche Indoor-Attraktionen zu gehen. Daher war der Göteborg-Pass mit 395-770 SEK (ca. 36-71 Euro) für 1 bis 3 Tage nicht passend für uns.

Hafenkräne in der Dämmerung.
Hafenkräne in der Dämmerung.

Wir erkundeten Göteborgs Innenstadt lieber zu Fuß, was ganz gut geht. Vom Hafen bis zum Götaplatsen sind es nur zwei Kilometer und die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in diesem Umkreis. Zu den Inseln (siehe unten) gingen wir natürlich nicht zu Fuß. Diese konnten wir sehr gut mit den öffentlichen Fähren von Västtrafik erreichen. Praktischerweise war genau vor unserem Hotel eine Haltestelle, sodass wir dort einfach ein- und aussteigen konnten. Eine Einzelfahrt kostet ungefähr 30 Kronen. Da wir aber auch Zwischenstopps mit der Fähre machen wollten, kauften wir der Einfachheit halber eine Tageskarte (95 SEK = ca. 8,80 Euro).

Blick auf Göteborg.
Blick auf Göteborg.

Bezahlen geht in Schweden im Übrigen fast überall bargeldlos. Ganz im Gegenteil gab es einige Lokalitäten, die gar kein Bargeld mehr annahmen. Es war jedenfalls unser erster Urlaub, bei dem wir kein Geld abheben mussten und alles mit Karte zahlen konnten.

Essen in Göteborg

Verhungern muss wohl niemand in Göteborg. Es gibt zahlreiche Restaurants aller Nationalitäten. Wenn man etwas Preiswertes sucht, wird es aber schon etwas schwieriger. Die Preise für Essen sind etwas höher als in Deutschland, so wie allgemein alles etwas teurer ist.

Am ersten Abend wollten wir natürlich etwas typisch Schwedisches essen. Und natürlich fielen uns da Köttbullar ein, die ich auch daheim gerne selbst mache (okay, aus der Tiefkühlpackung). Man findet die Hackbällchen nicht an jeder Straßenecke, wir wurden im „Cafe du Nord“ fündig, wo die Preise auch noch akzeptabel waren. Und die Köttbullar haben auch gut geschmeckt.

Köttbullar mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren.
Köttbullar mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren.

Am zweiten Tag konnten wir uns den Burgern nicht entziehen. Interessanterweise hat so gut wie jedes Restaurant mindestens einen Hamburger auf seiner Karte gelistet. Leider liegen die Preise so um die 199 SEK (ca. 18,50 Euro), was uns etwas zu viel für einen Hamburger war. Aber auch hier fanden wir eine preisgünstige Alternative in „John Scotts Stable“. Neben dem guten Essen ist auch die Aufmachung der Lokalität interessant. Von außen eher unscheinbar, von innen riesig mit gemütlichen Sesseln, Regalen voller Büchern und einer schönen Dachterrasse, wo wir aufgrund des Wetters saßen.

Am letzten Tag hatten wir Lust auf Asiatisch und machten bei „Gansu Köken“ halt. Das kleine chinesische Lokal hat nur zwei Gerichte auf der Karte: Suppe oder Salat. Die Suppe gibt es mit zwei verschiedenen Nudelarten, den Salat mit Fleisch oder Vegetarisch. So klein die Auswahl ist, so gut ist die Suppe dann aber auch. Sie ist nicht gerade unscharf, aber Wasser und Tee gibt es kostenlos dazu. Und es war reichlich Inhalt, sodass wir keinen Nachtisch brauchten.

Leckere Suppe im Gansu Köken.
Leckere Suppe im Gansu Köken.

Apropos Nachtisch: Beim Bäcker und in den Supermärkten gibt es kleine, schwedische Leckereien, die stark an Bombice aus Montenegro oder an die srilankanischen Ladoo erinnern. Die Chokladbollar sind meist mit Kokos ummantelt und schmecken neben Kakao auch ein bisschen nach Kaffee oder Mokka. Ich fand sie so lecker, dass ich mir aus dem Supermarkt noch einige für daheim mitgenommen habe. Wer solche Bällchen nicht mag, kann es auch mit diversen Marzipan-Leckereien versuchen oder mit Lakritzstangen in eine ganz andere Richtung gehen. Schweden bietet für Leckereien viele Alternativen!

Diverse Süßigkeiten aus Schweden.
Diverse Süßigkeiten aus Schweden.

Eine Besonderheit gab es in allen von uns besuchten Restaurants: Wir bezahlten im Voraus. Das ist etwas ungewohnt, nimmt aber viel Stress aus dem Essen. Denn so kann man sich die Zeit genau so einteilen, wie man will und geht einfach, wenn man Lust hat. So mussten wir nicht nach dem Essen noch unnötig nach einem Kellner rufen, der abkassiert. Das hat mir gefallen und fände ich auch in Deutschland toll.

Stadtleben

Göteborg selbst würde ich eher nicht als besonders schöne Stadt bezeichnen. Es ist eine Stadt, die derzeit mit vielen Baustellen aufwarten kann, weswegen wir auch ein paar Umwege gehen mussten. Zum Leben eignet sich die Stadt aber sicherlich hervorragend.

Hotelschiff Lilla Bommen und dahinter der „Lippenstift“ Skanskaskrapan.
Hotelschiff Lilla Bommen und dahinter der „Lippenstift“ Skanskaskrapan.

Mit Sightseeing waren wir relativ schnell durch. Das Wahrzeichen von Göteborg, der Skanskaskrapan, ist echt nicht so hübsch. Von der Aussichtsplattform Utkiken hat man angeblich einen tollen Blick über Göteborg. Wir konnten diese aber nicht besuchen, da sie am Wochenende geschlossen ist. Die Feskekörka (Fischkirche) ist eine Fischmarkthalle, in der es ca. 10 Fischläden gibt. Hier hatten wir uns auch sehr schnell satt gesehen. Über die Kungsportsavenyn (Einkaufsstraße) zu laufen ist ganz okay, aber da die Straße sehr stark befahren ist, kam bei mir auch keine richtige Bummellaune auf. Am Ende der Straße liegt der Götaplatsen, was sicherlich ein bedeutender öffentlicher Platz ist, aber dennoch eher nicht so überwältigend daherkommt wie andere große Stadtplätze.

Die Fischkirche.
Die Fischkirche.

Das Kunstmuseum am Götaplatsen.
Das Kunstmuseum am Götaplatsen.

Das Opernhaus am Abend.
Das Opernhaus am Abend.

Was mir da schon eher gefallen hat, war das Stadtviertel Haga. Es gibt viele Cafés und Restaurants und kleinere Läden, die Handwerkskunst und Souvenirs anbieten. Hier machte mir das Schlendern und Schauen Spaß und wir machten dort natürlich auch Fika (Kaffeepause mit Kuchen).

Stadtviertel Haaga.
Stadtviertel Haaga.

Das Kronhuset, das älteste Gebäude in Göteborg von 1654.
Das Kronhuset, das älteste Gebäude in Göteborg von 1654.

Was Göteborg viel hat, sind Museen, beispielsweise das Kunstmuseum, das Naturhistorische Museum oder das Universeum. In letztem kann man sicherlich einen ganzen Tag verbringen, wofür wir leider keine Zeit mehr hatten. Dafür schauten wir uns aber das Maritiman an. Bei der Schiffsausstellung kann man verschiedene Schiffe begehen. Beeindruckend war natürlich der große Zerstörer, die HMS Småland. Interessant und beengend war dagegen der Gang durch ein echtes U-Boot, die Nordkaperen. Schade war, dass wir nicht durch das Periskop schauen konnten. Dafür war aber draußen am Kai eines separat aufgebaut. Nach circa zwei Stunden waren wir auch schon durch, aber wer sich ein bisschen für Schiffstechnik interessiert, ist hier gut aufgehoben.

Die Schiffe im Maritiman.
Die Schiffe im Maritiman.

Der Schlachtkreuzer und das U-Boot daneben.
Der Schlachtkreuzer und das U-Boot daneben.

Im U-Boot.
Im U-Boot.

Auf den Inseln

Was wir unbedingt sehen wollten, war der Göteborger Schärengarten, der sich in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufteilt. Da der südliche vom Hafen Stenpiren aus direkt bei unserem Hotel angefahren wird, war dieser für uns leichter zu erreichen. Und so nahmen wir am Morgen die Fähre und fuhren in knapp anderthalb Stunden zuerst auf die südlichste erreichbare Insel Vrångö. Die Insel ist übersichtlich und nicht stark bewohnt, vor allem der südliche Teil ist aber wunderschön zum Wandern. Es gibt wenig hohe Bäume, meist nur Sträucher oder Felsen. Viele kleine Buchten laden zum Baden oder einfach nur Hinsetzen ein. Und rund um die Insel sieht man weitere, kleine Felsen aus dem Wasser ragen. Das war wirklich sehr gemütlich und erholsam und wir hätten hier auch mehr Zeit verbringen können.

Vrångö: Sträucher, Büsche und viel Fels.
Vrångö: Sträucher, Büsche und viel Fels.

Entspannte Aussicht auf Vrångö.
Entspannte Aussicht auf Vrångö.

Unsere Fähre ging nach gut zwei Stunden aber wieder zurück, weil wir noch Halt auf der größeren Insel Styrsö machen wollten. Wir legten am südlichen Hafen Skäret an und liefen – über den etwas niedrigeren Kvarnberget – auf den mit 60 Metern höchsten Punkt der Insel, Stora Rös. Von hier konnten wir auf die Nachbarinsel Donsö schauen, aber viel schöner war der Blick auf die westliche Bucht von Styrsö. Etwas schade war, dass auf dem Aussichtspunkt ein Teerhaufen geschüttet wurde, was sicherlich seinen Grund hatte, aber so das Naturbild etwas zerstörte.

Blick auf Donsö.
Blick auf Donsö.

Die westliche Bucht von Styrsö.
Die westliche Bucht von Styrsö.

Styrsö ist nicht ganz so hübsch wie Vrångö, zumindest nicht die Teile, die wir gesehen haben. Aus Zeitgründen sind wir aber nicht über ganz Styrsö gelaufen, sodass es vielleicht noch hübschere Ecken zu entdecken gibt. Nach anderthalb Stunden legte die nächste Fähre am nordöstlichen Hafen Bratten ab und brachte uns wieder zurück zum Hotel nach Stenpiren. Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch einmal nach Göteborg zu kommen, um auf einer der Inseln zu übernachten und mehr des Schärengartens zu erkunden.

Ungestörtes Wohnen.
Ungestörtes Wohnen.

Abschluss

Göteborg war eine tolle Erfahrung. Auch wenn die Stadt nicht überragend ist, was Sehenswürdigkeiten angeht, begeisterten mich die vorgelagerten Inseln umso mehr. Beim nächsten Mal können wir uns dann aber auch mehr Zeit für Museen nehmen, vor allem das Universeum klang echt interessant.

Neu gespielte Brettspiele im August 2019

Auch im August gab es wieder einige neue Spiele auf dem Spieletisch.

Run, Fight or Die (Grey Fox Games, 2014)

Wer „King of Tokyo“ kennt, weiß in etwa, wie die Mechanik von „Run, Fight or Die“ funktioniert: Die Spieler werfen Würfel mit besonderen Symbolen. Man legt die Würfel raus, die man behalten will, den Rest wirft man erneut, dann noch einmal und mit dem Endergebnis muss man leben und die Effekte anwenden. Thematisch eingebettet ist das Ganze in ein Zombie-Apokalypse-Szenario. Die Spieler gehen in eine noch bevölkerte Stadt, um sich dort eine neue Gruppe an Personen zusammenzustellen. Dabei strömen aber Horden von Zombies auf einen ein. Und unter den Umständen ist das Auffinden von Personen nicht ganz so leicht.

Wir haben nur das Grundspiel gespielt, was mich nicht umgehauen hat. Zum einen ist man schon sehr stark Würfelglück-abhängig. Wenn man in den ersten zwei Runden keine Waffe (Baseballschläger oder Pistole) würfelt, kann man die Zombies nicht abwehren und man stirbt auf alle Fälle. Und das nur durch pures Würfelunglück. Hier wirkt mir der Zufall zu stark auf das Spiel ein. Da man Zombies abwehren muss, hat man selten Ruhe und muss so zwingend auch immer ein Waffensymbol herausnehmen. Dadurch kommen die besonderen Effekte der anderen Symbole wie „Buch“ und „Suchen“ nicht zwingend dran. Dabei gibt es davon zahlreiche, denn je nach Anzahl an herausgelegten Würfeln gibt es unterschiedliche Aktionen. Gut, dass eine Übersicht beiliegt, weil sich das niemand merken kann. Schade, dass es nur zwei Übersichten gibt.

Die gefundenen, neuen Gruppenmitglieder bringen auch Effekte mit, was ich ganz gut finde, auch wenn ich bei so etwas immer leicht die Übersicht verliere. Mitglieder mit hoher Punktezahl haben dabei eher einen Malus, der einen behindert. Andere mit weniger Punkten bringen dafür zusätzlich Fähigkeiten ein. Aber auch hier regiert der Zufall, welche Karten man bekommen. Das Spiel kann enden, sobald ein Spieler fünf neue Leute gefunden hat. Da jeder noch eine Runde hat, kann es sein, dass ein Mitspieler dann noch zufällig einen ganz hochwertigen Charakter findet (die Negativeffekte interessieren am Ende ja nicht mehr) und so das Spiel vor dem Spieler, der das Spielende eingeläutet hat, gewinnt.

Wie Ihr seht, war es nicht mein Spiel. Es kann sicherlich recht lustig sein in passender Runde, aber „King of Tokyo“ gefällt mir besser. Zum einen hat man mehr Interaktionen (bei „Run, Fight or Die“ spielt im Grundspiel jeder für sich), zum anderen hat der Zufall einen nicht ganz so starken Effekt auf das Spielgeschehen.

Wertung: (5,0)

1500 m (Lucky loser, 2016)

„1500 m“ ist ein Lauf-Rennspiel. Durch Karten wählt jeder Spieler geheim, wie viel Energie er in dieser Etappe ausgeben will. Der mit dem höchsten Wert fängt an und wählt eine Aktion wie z.B. Beschleunigen, weiter laufen, Energie sammeln oder Angreifen. Fies ist, dass der Spieler, der die wenigste Energie eingesetzt hat, keine Aktion bekommt. Danach fängt der vorne liegende Spieler an zu laufen. Und zwar soweit, wie er geheim mit einer zweiten Karte gewählt hat. Plus ggf. eine extra Weite durch die Aktion. Je nach Platzierung folgen die anderen Spieler. Und danach muss jeder Spieler entscheiden, ob er beschleunigen will, was zwar Energie kostet, aber einen noch weiter voranbringt. Und so läuft man bis jemand zuerst die 1500 Meter geschafft hat ohne all seine Energie zu verlieren.

Im Prinzip klingt „1500 m“ sehr gut. Die geheime Auswahl der Energiekarten funktioniert auch super. Nur kann man die Mitspieler schwer einschätzen, finde ich. Daher habe ich mich auf mich konzentriert, wie viel Energie ich gerade ausgeben will ohne dabei Letzter zu sein. Ebenso klasse war der Endspurt, wo die Energiereserve der Spieler langsam zu Ende geht und man echt haushalten muss, um noch ins Ziel zu kommen. Ich war am Ende so erschöpft, dass ich 1 Meter vor der Ziellinie zusammengebrochen bin. Während andere noch locker einmal 1000 m hätten laufen können. Leider ist der Weg zum Endspurt eher unspannend. Es passiert eher wenig und wiederholt sich jede Runde. Meine Empfehlung wäre daher, immer die kürze 800-m-Strecke zu spielen.

Im Vergleich zu DEM Rennspiel „Flamme Rouge“ fällt „1500 m“ aber deutlich ab. Der Renncharakter kommt beim Fahrradrennen wesentlich besser herüber. Durch die variablen Strecken ist das auch interessanter als immer nur im Kreis zu laufen.

Wertung: (6,0)

1500 m
1500 m

60 Seconds to Save the World (Alderac Entertainment Group, 2017)

60 Sekunden, um die Welt zu retten? Ein extrem schnelles Echtzeit-Koop? Nein! Koop stimmt zwar, aber keine Ahnung, was das Spiel mit 60 Sekunden zu tun hat. Die Welt sollen wir aber wirklich retten. Mehrere Szenarien stehen in 60 Seconds to Save the World zur Auswahl: Alien-Invasion, Zombies, Supergrippe, Atomkrieg etc. Um die Gefahr abzuwehren, müssen die Spieler einen Plan erfüllen. Dafür spielen sie Karten in ihre Auslage aus, welche bestimmte Symbole enthalten. Passen die Symbole, kann man den Plan ausführen.

Bei mir ist das Spiel komplett durchgefallen. Die Anleitung ist echt chaotisch und nicht verständlich. So machte das Erlernen des Spiels schon keinen Spaß. Der Spielaufbau ist nicht sonderlich variationsreich. Es ist zwar immer ein anderes Thema, aber vom Prinzip her macht man immer das Gleiche und sucht passende Symbole zum Problem. Wir haben nicht herausgefunden, wieso man die Aktion „Karten tauschen“ oder „Karten zeigen“ (man darf nicht über die eigenen Karten sprechen) ausführen sollte. Wir spielten beide vor uns hin und irgendwie ergab sich der Sieg dann. Zumindest in der zweiten Partie. In der ersten verloren wir wegen Kartenpech, was extrem schlecht für so ein Spiel ist. Wir mussten bestimmte Symbole sammeln, die vom verdeckten Kartenstapel aber dummerweise immer wieder zufällig abgeworfen wurden. So hatten wir irgendwann keine Chance mehr auf den Sieg, weil uns die Symbole ausgingen. Ich finde leider echt nichts Positives an dem Spiel.

Wertung: (2,5)

60 Seconds to Save the World
60 Seconds to Save the World

Majesty: deine Krone, dein Königreich (Hans im Glück, 2017)

„Majesty: deine Krone, dein Königreich“ ist ein sehr schnelles und einfaches Karten-Drafting-Spiel. Aus der Auslage nimmt man sich eine der sechs Karten und legt diese passend an eines seiner sieben Gebäude. Dafür gibt es dann Geld (je nach Beruf) und ggf. noch eine Spezialaktion, mit der man zum Beispiel Gegner ärgern und deren Karten angreifen/umdrehen kann. Nach zwölf Zügen ist das Spiel vorbei, es findet noch eine Mehrheitenwertung statt und dann gewinnt jemand.

Das Spiel tut genau das, was es verspricht. Die Spieltiefe ist eher gering, dafür kann man es zu viert auch in 30 Minuten runterspielen. Die Grafik und vor allem die Jeton-Münzen sind sehr schön, aber das macht das Spiel nicht wesentlich interessanter.

Wertung: (6,0)

Majesty
Majesty

Claim (Game Factory, 2018)

Bei „Claim“ handelt es sich um ein kleines Stich-Kartenspiel für zwei Spieler. Beide Spieler halten 12 Karten mit unterschiedlichen Farben und Werten von 0-12 auf der Hand. In der ersten Phase wird immer eine Karte aufgedeckt, beide Spieler spielen eine Karte von ihrer Hand aus und wer den Stich gewinnt, bekommt die aufgedeckte als Belohnung, der andere ein Zufallsprodukt vom Stapel. Wenn alle Stiche durch sind, wird mit den neu erworbenen Karten in Phase Zwei ein ganz normales Stichspiel daraus gemacht und man sammelt möglichst viele Stiche. Denn am Ende wird für jede Kartenfarbe geschaut, wer mehr Karten hat. Und wer so die meisten Mehrheiten hat, gewinnt.

Schnell erklärt, schnell gespielt – leider auch schnell vergessen. „Claim“ ist nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. Das Thema ist wie so oft nicht existent. Rein Farbkarten ohne irgendwelche Fantasy-Monster wie Goblins oder Untote hätten das gleiche Spiel erzeugt. Kann man spielen, brauch ich aber nicht noch einmal.

Wertung: (5,5)

Claim
Claim

Hardback (Fowers Games, 2018)

Wenn ich sage, dass „Hardback“ wie „Paperback“ ist, ist wohl kaum jemandem geholfen. Daher: Hardback ist ein Deckbuilder. Anstelle Waffen oder Kämpfer zu sammeln, sammeln die Spieler … Buchstaben! Denn „Hardback“ ist ein Wortspiel. Mit den eignen Buchstaben-Handkarten muss man ein Wort auslegen. Hierfür erhält man analog zu „Scrabble“ je nach verwendeten Buchstaben einen bestimmten Wortwert. Mit diesem Wert kann man sich dann neue Buchstabenkarten aus der Auslage kaufen. Auf die Rückseite gedrehte Karten fungieren also Joker, bringen aber auch keine Punkte.

„Hardback“ funktioniert besser als „Paperback“. Grund sind die Joker, die man sich bei „Paperback“ noch kaufen konnte, nun einfach grundsätzlich auf der Hand hält. Zwei weitere Kniffe gefallen mir gut: Man kann mit Restgeld Tintenfässchen kaufen. Setzt man diese ein, darf eine weitere Karte vom eigenen Deck ziehen, muss diesen Buchstaben dann aber auch zwingend in einem Wort verwenden. Daneben gibt es noch analog zu z.B. „Ascension“ stationäre Buchstaben-Karten, die vor einem liegen bleiben und jede Runde aufs neue eingesetzt werden können – aber auch von den Gegnern.

„Hardback“ hat aber auch ähnliche Probleme wie „Paperback“: Die Downtime ist teils groß, wenn einem Mitspieler partout kein Wort einfällt. Daneben interessiert mich auch nicht wirklich, was die Mitspieler für Wörter ausspielen, da ich selbst am Grübeln bin. So spielt jeder eher solitär vor sich hin. Das Nutzen von fremden Buchstaben kam bei uns nicht vor.

Dennoch spielt sich „Hardback“ ganz gut. Für das, was es bietet, ist es nur etwas zu lang. Auf der anderen Seite benötigt man die Zeit, um sich ein gutes Deck aufzubauen, mit welchem man immer stärkere Wörter ausspielen kann.

Wertung: (6,5)