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Buch: Clean Architecture

Titel Clean Architecture
Autor Robert C. Martin
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag mitp Verlag, 2018
Seitenanzahl 375

Nach „Clean Code“ und „Clean Coder“ veröffentlicht Onkel Bob sein neuestes Werk: „Clean Architecture“. Vermutlich ist der saubere Architekt auch nicht mehr weit … Der Untertitel des Buches ist „Das Praxis-Handbuch für professionelles Softwaredesign“, was sehr generisch und eher nichtssagend ist. Interessanter ist der zweite Untertitel „Regeln und Paradigmen für effiziente Softwarestrukturierung”. Die Frage ist: Kann das Buch diese vermitteln?

Zielgruppenfindung

Ich mach's kurz: Ja, kann es größtenteils. Die Frage ist vermutlich eher, wem diese Regeln und Paradigmen näher gebracht werden sollen. Wer schon lange in Richtung Software-Architektur unterwegs ist, wird aus den ersten Kapiteln zu Programmierparadigmen und Designprinzipien nicht mehr so viel Neues mitnehmen. Auf der anderen Seite: Ein Quäntchen Neues findet vermutlich jeder auf den Seiten! Und in meinen Augen schadet es auch nicht, die SOLID-Designprinzipien noch einmal durchzugehen, zumal das Single-Responsibility-Prinzip immer wieder falsch verstanden wird. Und auch das Depency-Inversion-Prinzip habe ich – glaube ich – erst jetzt richtig verstanden. Und auch, wieso ich Interfaces bisher immer der falschen Komponente zugeordnet habe.

Interessante Kapitel

Etwas interessanter, wenn auch nicht ganz neu fand ich das Kapitel zu den Komponentenprinzipien, wie zum Beispiel Common-Closure, Common-Reuse, Acyclic-Dependencies, etc. Martin zeigt anhand von kleinen Beispielen die Bedeutung der Prinzipien und greift dazu auch gerne in die Geschichtskiste und zaubert dort Beispiele in Assembler hervor. Dennoch passen alle Beispiele und sind sehr anschaulich.

Das für mich wichtigste Kapitel war aber „Teil V – Softwarearchitektur“. Der Titel ist sehr generisch, aber Robert C. Martin zeigt sehr deutlich, welche Auswirkungen die Softwarearchitektur auf ein Projekt hat – auch im laufenden Betrieb – und wie eine gute Struktur aussehen kann. Dabei natürlich nicht in einer Allerweltsformel, sondern durch Prinzipien und Paradigmen, die einem helfen sich entlang des Architekturaufbaus und -eingliederung entlang zu hangeln. Am hilfreichsten war für mich die Einteilung der Architektur in Layer, wobei aber ein rundes Modell benutzt wird, in welchem die Abhängigkeitspfeile immer von außen nach innen gehen. Das liefert ein völlig neues Bild und Verständnis der eigenen Software.

Von allen Kapiteln, die interessant waren, fällt der Anhang A „Architekturarchäologie“ etwas ab. Robert C. Martin plaudert aus dem Nähkästchen über Projekte, denen er in seiner Laufbahn beiwohnen durfte, und was diese ausgezeichnet hat – entweder, weil sie etwas besonders gut machten oder weil sie katastrophal scheiterten. Teils ist das interessant, teils aber nur eine Anekdote, aus der ich nicht viel mitnehmen konnte. Aber es steht ja auch im Anhang und bildet nicht den Hauptteil des Buches.

Fazit

Fand ich das Buch interessant? Ja, auch wenn ich es sicherlich nicht wie einen Roman am Stück lesen konnte. Und für wen eignet es sich? Natürlich für Software-Architekten, aber ich mag die Abgrenzung zu Software-Entwicklern nicht wirklich. In meinen Augen ist auch jeder Entwickler ein Architekt und muss gewisse Regeln und Prinzipien kennen, damit das Haus (also die Software) nicht zusammenfällt. Ggf. nicht in der ganzen Breite und Tiefe, aber ein gewisses Verständnis sollte da sein. Und diesen Überblick verschafft das Buch „Clean Architecture“ von Robert C. Martin sehr gut. Im Detail kann man dann zu jedem einzelnem Kapitel sicherlich ein eigenes Buch finden, was das Thema behandelt.

Vielen Dank an dieser Stelle auch noch an Miriam Robels vom mitp Verlag für das Rezensionsexemplar!

Buch: Scythe

Titel Scythe
Autor Neal Shusterman
Sprache Englisch
Genre Roman
Verlag Walker Books, 2018
Seitenanzahl 443

In ferner Zukunft sind alle Krankheiten ausgemerzt. Niemand muss Hunger leiden. Und auch den Alterungsprozess hat die Menschheit besiegt, sodass sich jeder Mensch jederzeit wieder verjüngen kann, um sein Erwachsenenleben erneut von vorne zu beginnen. Geregelt wird das tägliche Dasein durch eine Maschine, dem Thunderhead, einer Künstlichen Intelligenz, die sich um alles kümmert, damit es den Menschen gut geht. Eine Ausnahme dieser Utopie gibt es: Die Scythes (Sensenmänner). Wenn die Menschen ewig leben könnten, gäbe es bald ein riesiges Problem mit der Überbevölkerung. Aus dem Grund werden Menschen ausgebildet, anderen Menschen das Leben zu nehmen – so wie dies früher durch Krankheiten, Unfälle oder Schlimmeres auch der Fall war.

In dieser Welt leben Citra Terranova und Rowan Damisch und stoßen getrennter Wege auf Scythe Faraday, der beide als Lehrlinge zu sich nimmt, was sie nur widerwillig annehmen. Wer will schon sein ewiges Leben lang andere Menschen töten? Doch dann bringt sich Scythe Faraday plötzlich um und Rowan und Citra werden getrennt und müssen gegeneinander antreten, denn nur einer von beiden darf ein neuer Scythe werden. Steckt mehr hinter Faradays Tod? Und wie kümmern sich die neuen Scythe-Ausbilder um die beiden Lehrlinge?

„Scythe“ ist ein großartiges Buch. Shusterman schafft ein Welt, die obwohl sehr utopisch, dennoch nicht unwirklich klingt. Die Menschheit hat alles erreicht, es gibt kaum noch einen Antrieb, irgendetwas zu tun, da der Thunderhead sich um alle Belange kümmert. Die Scythes passen sehr gut in diese Welt. Gefürchtet, da sie den Tod bringen. Aber auch umgarnt, da sie Immunität vor dem Tod geben können. Manche werden wie Popstars angehimmelt. Und trotz allem zeichnet Shusterman ein menschliches Bild mit starken Unterschieden zwischen den Ausbildern und deren Verhalten.

Sprachlich ist es recht einfach zu lesen. Einige besondere Wörter wie „Gleaning“ kann man aus dem Kontext erschließen. Die abwechselnde Sichtweise aus Rowans und Citras Sicht ist spannend, da mitunter genau die andere Seite gerade mehr Informationen hat als der Leser.

Das Buch ist auch auf Deutsch als „Scythe – Hüter des Todes“ erschienen. Teil 2 der Trilogie wurde als „Thunderhead“ bzw. „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ bereits veröffentlicht und ich freue mich sehr darauf, wie es mit Citra und Rowan weitergeht.

Buch: arc42 in Aktion

Titel arc42 in Aktion
Autor Gernot Starke, Peter Hruschka
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag Hanser Verlag, 2016
Seitenanzahl 190

In vielen Software-Projekten, die länger als ein Jahr leben, gibt es eine Software-Architektur. Nicht immer sieht man sie sofort im Code, nicht immer entspricht die Realität dem Angedachten und sehr oft ist rein gar nichts dazu dokumentiert. Vor allem der letzte Punkt soll sich durch das Buch „arc42 in Aktion – Praktische Tipps zur Architekturdokumentation“ von Gernot Starke und Peter Hruschka bessern.

arc42-Template

Wer es nicht kennt: arc42 ist eine Vorlage für die Entwicklung, Dokumentation und Kommunikation von Software-Architekturen. Mit Template ist dabei keine Vorlage gemeint, die man strikt befolgt und ausfüllt, sondern es gibt eine Gliederung und Hinweise, welche Inhalte eine Architektur-Dokumentation haben kann und sollte.

Das Buch setzt genau dort an und stellt jedes Kapitel des Templates im Detail vor, welches Ziel damit verfolgt wird und wem es etwas nützt. Das Ganze an einem kleinen Beispiel, damit man die Vorlage auch einmal ausgefüllt sieht. Dabei muss man natürlich vor allem als Dokumentschreiber selbst abwägen, welche Teile man übernimmt und welche nicht. Das können die Autoren des Buches einem nicht abnehmen, aber sie geben wie gesagt Hinweise, was sinnvoll sein könnte.

Ich zähle hier nicht auf, wie das arc42-Template aufgebaut ist und welche Teile es enthält. Das kann man auf der Webseite nachschlagen. Positiv erwähnen will ich die Lizenz, denn das Template steht unter der Creative Commons Attribution Lizenz und darf damit von jeder Person frei benutzt, abgeändert und weiterverteilt werden. Nur die Originalquelle muss man angeben, wenn man sich darauf abstützt, was aber kein großes Problem sein sollte. Der Download steht für verschiedene Formate wie Office, LaTeX, Markdown oder HTML zur Verfügung.

Auch für Nicht-arc42-Nutzer

Besonders gefallen hat mir an dem Buch, dass der Sinn hinter der einzelnen Kapitel des arc42-Templates erklärt wird. Damit versteht man nämlich die Hintergründe, auch wenn man nicht arc42 als Template benutzt. So kann man sich sehr leicht einzelne Elemente, die einem zusagen, für die eigene Vorlage übernehmen.

Aus dem Grund fand ich vor allem Kapitel III „Grundregeln effektiver Dokumentation“ so wertvoll. Hier geht es wirklich um die Fallstricke für gute – und damit ist wertschöpfend gemeint – Dokumentation und wie man mit Problemen umgehen kann.

Aber natürlich kochen auch die Autoren bzw. die Entwickler des arc42-Templates nur mit Wasser. Nicht alles, was ich in dem Buch gelesen habe, halte ich für richtig. Nicht alles, was in der arc42-Vorlage steht, für sinnvoll. Alles in allem hat das Buch aber einen Mehrwert für jeden, der Architektur-Dokumente schreibt.

Nachtrag: Für mich sind die Grenzen zwischen Design und Architektur fließend. Aus dem Grund unterscheide ich nicht zwischen Architektur- und Design-Dokumenten. Deswegen können alle Tipps aus dem Buch fast eins zu eins für Design-Dokumente – oder allgemein fast jede Art von Dokumentation – übernommen werden.

Buch: Das Theorem des Papageis

Titel Das Theorem des Papageis
Autor Denis Guedj
Sprache Deutsch
Genre Roman
Verlag Bastei Lübbe, 1999
Seitenanzahl 745

Nach dem letzten Mathebuch folgt gleich ein weiteres: Das Theorem des Papageis. Darin geht es um eine Familie, die in der Rue Ravignan in Montmatre, Paris lebt. Der 84-jährige Buchhändler Pierre Roche wohnt dort mit seiner Angestellte Perrette und dessen drei Kindern zusammen. Jonathan und Lea sind Zwillinge, der jüngere Max ist adoptiert und taub. Eines Tages kommt Max ein Papagei zugeflogen und Monsieur Roche erhält Post von einem alten Studienfreund. Dieser schickt ihm einen Abschiedsbrief und damit gleich seine ganze Bücherei an historischen Mathebüchern, die er in Manaus im Amazonas gesammelt hat. Und damit beginnt der Krimi, denn es gilt den Tod von Pierres Freund aufzudecken, der Spuren in den Mathebüchern versteckt hat.

Ich fürchte, wer kein Faible für Mathematik hat, wird das Buch schnell beiseite legen. Die Hintergrundgeschichte ist ganz okay, auch wenn bis zum Ende nicht alles erklärt wird. Aber die sehr langen Passagen über die verschiedenen Mathematiker seit der Antike in Griechenland oder Arabien bis hin zu den Europäern sind mitunter doch sehr trocken. Ich selbst fand Einiges davon sehr interessant, es waren auch neue Erkenntnisse dabei. Aber ich kann verstehen, wenn das nicht jeden fesselt.

So interessant die Passagen waren, so anstrengend war der Roman teilweise dazwischen zu lesen. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung lag, aber die Emotionen bzw. Gefühle der Personen wurden nicht wirklich gut transportiert. Die Charaktere schreien auf, sind verärgert oder zieren sich. Auf einer Bühne wären dies die richtigen Worte und Emotionen, aber von einer Pariser Familie erwartet man nicht so viel Theatralik. Das ganze Buch über konnte ich jedenfalls keine Beziehung zu irgendeinem der Charaktere aufbauen, was sehr schade ist. Ein bisschen hat mich der teils philosophische Stil an Umberto Ecos „Das Foucaultsche Pendel“ erinnert, welches ähnlich unverständlich für mich daherkam.

Sehr schlecht sind natürlich die mathematischen Fehler in einem Mathebuch. So wurden an einer Stelle bei einem Bruch Zähler und Nenner vertauscht. An zwei Stellen im Buch ist nicht von Fermat, sondern von Fernrat die Rede. Da könnte man fast meinen, das Buch wurde von einer nicht ganz sauber gedruckten Vorlage eingescannt und weiter bearbeitet. Bei Fermat's Vermutung wurde in der Formel (x^4 + y^4 + z^4 = w^4) ein Ist-Gleich anstelle eines Plus gesetzt. Und der größte Fauxpas, den es in meinen Augen geben kann, war die Gleichung: π² / 6 = Σ (π=1,…,∞) 1/π², was natürlich Unsinn ist. π (Pi, ca. 3,14) ist ein definierter Wert, den man nicht als Laufvariable nutzt. Selbst wenn man dies aber täte, dann nicht mit der gleichen Variable auf beiden Seiten der Gleichung. Im Text selbst wird dann korrekt von „n“ als Laufvariable gesprochen, aber das ist ein Fehler, der nicht passieren darf.

Alles in allem habe ich mich durch das Buch gekämpft und auch wenn der mathematisch historische Anteil gut war, war es der Rest des Buches eher nicht. Und eine Frage hatte ich bis zum Ende: Wie kann ein tauber Junge, der bei Menschen von den Lippen abliest, einen Papagei sprechen hören?

Buch: Math Girls

Titel Math Girls
Autor Hiroshi Yuki
Sprache Englisch
Genre Sachbuch (?)
Verlag Bento Books, 2012
Seitenanzahl 288

„Math Girls“ erzählt die Geschichte des namenlosen Erzählers, der zusammen mit zwei Mädchen in die Oberstufe geht. Dort gibt ihnen ihr Lehrer immer wieder Aufgaben, die sie knacken sollen. Tetra ist gerade erst dabei, Mathematik richtig zu verstehen und der Erzähler hilft ihr bei den Aufgaben. Miruka dagegen übertrifft das Wissen des Erzählers bei Weitem und kann diesen – und die Leser – leicht abhängen.

Und so ist „Math Girls“ ein Buch über drei Schüler, die Matheaufgaben lösen. Das klingt nach Spaß – wenn man Mathe mag zumindest. Die Gespräche zwischen den dreien lesen sich sehr angenehm, dazwischen findet man immer wieder zahlreiche Formeln, Definition und – was ich besonders gut finde – Beweise. Das Buch bringt einem mit einer steilen Lernkurve bei, wie man Beweise führt und vor allem, welche Hebel es gibt, um zum Ziel zu kommen. Das ist etwas, was vor allem Mathestudenten im ersten Semester sehr helfen kann.

Thematisch beschäftigt sich der Inhalt nicht gerade mit Matheproblemen der Grundschule. Genau genommen geht es hauptsächlich um Analysis des Mathe-Grundstudiums. Primzahlen und Fibonacci-Zahlen kennt man ggf. auch bereits so, aber harmomische Zahlen und Reihen, „partition numbers“, Taylorreihen, Differentialgleichungen, Primfaktorzerlegung und dergleichen läuft man eher selten über den Weg.

Und so kann ich das Buch für alle empfehlen, die höhere Mathematik studieren oder studiert haben und sich für das Thema interessieren. Für andere Menschen könnten die Inhalte einfach zu herausfordernd und unverständlich sein, weil Hiroshi Yuki nicht bei den Grundlagen anfängt. Mir selbst hat es sehr gut gefallen – sowohl die mathematische Probleme und Beweise als auch die Hintergrundgeschichte um den Erzähler und die beiden Mädchen.

Von „Math Girls“ gibt es noch zwei weitere Teile sowie Bücher mit konkreten Themen wie Trigonometrie, Gleichungen und Graphen oder Algebra. Vor allem die letzten sollen dann eher als Einführung in die jeweiligen Themen dienen. Ich weiß noch nicht, ob ich mehr von der Reihe lesen werde, aber es wäre nicht ungewöhnlich, wenn ich mich dazu entscheide.

Buch: GameTek – The Math and Science of Gaming

GameTek-Buch

Titel GameTek – The Math and Science of Gaming
Autor Geoff Engelstein
Sprache Englisch
Genre Sachbuch
Verlag Kickstarter, 2017
Seitenanzahl 328

Kickstarter und der Autor

Im englischsprachigen Raum ist der GameTek-Podcast aus dem Dice-Tower-Netzwerk unter Brettspielern sicherlich einigen ein Begriff. Ich habe zugegeben bis zu diesem Buch noch nie zuvor davon gehört, auch wenn der Podcast bereits seit über 10 Jahren existiert. Gestolpert bin ich über das Buch bei Kickstarter, für das das 10-jährige Podcast-Bestehen der Anlass waren, dort ein Buch zu finanzieren. Als Mathematiker und Wissenschaftsfanatiker hat mich die Idee begeistert, in einem Buch über die verschiedenen Aspekte des Spielens – konkret anhand von Brettspielen – zu lesen. Und so habe ich die Finanzierung des Buchs ebenfalls unterstützt.

Ob Geoff Engelstein der beste ist, um über Spieltheorie, Mathematik, Psychologie und Spielmechaniken zu sprechen bzw. zu schreiben, kann ich nicht beurteilen. Sein Erfahrungsschatz als Brettspieldesigner (z.B. The Ares Project, The Fog of War oder Space Cadets) helfen aber sicherlich dabei, die Aspekte zu durchleuchten. Eine Professur am NYU Game Center im Fach „Board Game Design“ und ein Abschluss in Physik vom MIT sind sicherlich auch nicht hinderlich.

Mehr zum Inhalt

Über den Inhalt habe ich schon kurz etwas gesagt. Die einzelnen Kapitel des Buches entsprechen den Podcast-Folgen der letzten zehn Jahre, die Geoff Engelstein am besten fand. Natürlich wird mit Spieltheorie angefangen, in dessen Genuss der eine oder andere Mathestudent auch an der Universität kommt – manchmal einhergehend mit praktischen Übungen abends im Hörsaal mit den Brettspielen des Professors. (Und ja, genau so bin ich zum Brettspielen gekommen.)

Aber natürlich spielt auch Mathematik bei vielen Spielen – vor allem, aber nicht nur bei sogenannten „Euro Games“ – eine wichtige Rolle. Ganz vorne mit dabei die Statistik, mit der Grübler versuchen 10 Minuten lang den besten Zug zu berechnen. Auch werden verschiedene Spielmechaniken vorgestellt und deren Besonderheit durchleuchtet.

Aber nicht nur diese „trockenen“ Fachgebiete geht Engelstein in seiner Reihe an, er erweitert das Repertoire glücklicherweise auch um „lebende“ Fächer wie Psychologie – schließlich sitzt man beim Brettspielen (meistens) mit anderen Menschen am Tisch, die man zu verstehen versucht.

Jedes Kapitel ist dabei nur wenige Seiten lang und lässt sich schnell lesen. Die Kapitel sind meist losgelöst voneinander, auch wenn mitunter Bezug auf das eine oder andere vorher oder weiter hinten genommen wird. Prinzipiell muss man das Buch aber nicht zwingend in der vorgegebenen Reihenfolge lesen.

Gefällt mir/gefällt mir nicht

Was gefällt mir an dem Buch besonders? Kommen wir erst zu dem, was mir nicht gefällt. Zum einen sind von den 382 Seiten des Buches ca. 70 Leerseiten. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass ein neues Kapitel immer auf einer ungeraden Seite anfängt, die Kapitel aber fast alle drei Seiten lang sind. Wer kurz nachrechnet, wird feststellen, dass somit eine Seite leer bleiben muss, damit das nächste Kapitel wieder mit einer ungeraden Seite anfängt. Das stört beim Lesen nicht, aber irgendwie ist die reale Seitenzahl doch kleiner als erwartet.

Zum anderen merkt man dem einen oder anderen Beitrag das Alter an. Auch wenn Geoff Engelstein in Fußnoten oft zeitliche Korrekturen einbringt, weil zur Ausstrahlung der Podcast-Folge keine anderen Informationen vorlagen, ist es doch seltsam, ein Buch aus 2017 in den Händen zu halten, was stellenweise veraltet ist. Hier hätte ich mir eine direkte Überarbeitung der Kapitel gewünscht, auch wenn dies natürlich mehr Aufwand gewesen wäre.

Aber genug gemeckert. Was gefällt mir an dem Buch? Vor allem die Beispiele – und von denen die aus dem spieltheoretischen Bereich am meisten. Das Gefangenendilemma ist dabei noch ein alter Hut, wer sich bereits ein bisschen mit der Materie auseinander gesetzt hat. Etwas unbekannter ist das Monty-Hall-Problem/Ziegenproblem. Und auch wenn ich davon bereits zuvor gehört habe und mir das Buch eigentlich nichts Neues gezeigt hat, habe ich erst nach dem Lesen bei dem Erklären des Problems gegenüber einer anderen Person den Beweis erst wirklich verstanden. (Und ja, es ist wirklich die bessere Strategie, das Tor zu wechseln.)

Sehr interessant fand ich auch Quantum Tic Tac Toe, welches normales Tic Tac Toe auf einer höhere Ebene hievt, um so anschaulich ganz ohne Mathematik an die Quantenphysik heranzuführen. Ich habe es bisher einmal gespielt und habe noch keine Ahnung, wie man strategisch an das Spiel herangeht. Der Knoten im Gehirn ist einfach noch zu groß. Und auch das „Beauty Contest“-Problem ist psychologisch hochinteressant und es macht Spaß seine Freunde nach dem Lesen des Kapitels damit zu nerven.

Lohnt sich das Buch?

Ja, auf alle Fälle. Man kann zwar auch die Podcasts hören, aber das ist zeitaufwändiger (zumindest ich lese etwas schneller als einen Beitrag anzuhören) und zusätzlich ist das wiederholte Durcharbeiten in einem Buch einfacher. Und ja, einige der beschriebenen Probleme muss man zwei- oder dreimal lesen, ehe man seinen Kopf wirklich in der Sache hat.

Der Stil ist locker, teils lustig und sehr unterhaltsam. So kann man fast jedes Kapitel in einigen Minuten durchlesen und hat danach (meistens) sogar verstanden, um was es geht. Vor allem aber wegen der Aspekte, die mir in Bezug auf Brettspiele neu waren (vor allem die psychologische Komponente), hat sich der Kauf für mich bereits gelohnt. Dabei werden die Aussagen immer wieder mit Beispielen aus zahlreiche bekannten Brettspielen untermauert, wie z.B. Diplomacy, Euphrat und Tigris, Dominion, Hanabi, Nightfall, Caylus, Cosmic Encounter, Terra Mystica und viele viele mehr.

Wer bei Kickstarter nicht zugeschlagen hat (und am somit ehesten diesen Beitrag hier liest), muss nicht traurig sein, denn das Buch gibt es inzwischen auch im normalen Online-Handel – entweder als gebundene Ausgabe oder etwas preiswerter als E-Book, beispielsweise bei Bookzilla.

Ich werde mein Exemplar (mit Geoff Engelsteins Unterschrift auf der ersten Seite, yeah) jetzt jedenfalls brav ins Regal stellen, wo es sich neben den anderen Spieltheorie-Büchern sicherlich heimisch fühlt. Und ab und an werde ich es sicher auch hervorholen, um einen Vorteil gegenüber meinen Mitspielern zu erhalten – in der Hoffnung, dass die das Buch nicht auch gelesen haben. ;)

Buch: Spiegel

Titel Spiegel
Autor Cixin Liu
Sprache Deutsch
Genre Sci-Fi
Verlag Heyne, 2017
Seitenanzahl 117

Was wäre, wenn es einen Hochleistungscomputer geben würde, der anhand verschiedenen Parameter die Entstehung und das Leben des Universums vom Urknall an simulieren könnte? Was wäre, wenn jemand die Parameter gefunden hätte, die unserem Universum, unserer Erde entsprechen? Und was wäre, wenn dies publik wird?

Cixin Liu kannte ich bisher noch nicht, die deutsche Erstausgabe seines Romans „Spiegel“ hat mich von der Idee aber sehr angesprochen. Liu gilt als Autor des Hard Science Fiction. Ich gehöre eher zu Liebhabern des Soft Science Fiction, deren Vertreter u.a. Stanislaw Lem, Ray Bradbury und Philip K. Dick sind.

Und dennoch wirft das Buch einige gute und philosophisch interessante Fragen auf. Die Idee, aus den ersten Ansätzen der Stringtheorie einen Stringcomputer (als Analogon zu einem Quantencomputer) zu bauen, gibt Liu die Möglichkeit, aktuell herrschende Speicher- und Geschwindigkeitsprobleme einer Urknall-Simulation beiseite zu schieben. Was bleibt, ist die Frage, ob so eine Simulation als Spiegel der Gesellschaft dieser dienlich wäre oder nicht. Verbrechen ließen sich ohne Probleme aufklären, da nichts mehr geheim wäre, was bisher geschehen ist. Aber weil auch nichts mehr geheim wäre, würden die Menschen unter Umständen degenerieren, weil jede Art der Andersartigkeit und Abweichung von der Norm auffallen würde.

Als Novelle lässt sich das Buch wirklich gut lesen. Ich gebe aber zu, dass ich vermutlich keinen ganzen Roman in dieser Art durchlesen würde. Zu anstrengend ist es teilweise, den wissenschaftlichen Ausführungen zu folgen. Es hat einen Grund, wieso ich Soft Science Fiction lieber mag.

Buch: Warcross

Titel Warcross
Autor Marie Lu
Sprache Englisch
Genre Sci-Fi
Verlag Penguin Books, 2017
Seitenanzahl 353

Seit 10 Jahren besteht die virtuelle Welt von Warcross und so gute wie jeder Mensch ist mit der Welt vernetzt. Was für die einen eine nette Erfahrung oder Flucht vor der Realität ist, ist für viele andere Warcross-Spieler die Chance auf ein besseres Leben. Jedes Jahr messen sich zahlreiche Teams vor einem Millionenpublikum in einem Spiel ähnlich zu Capture-the-Flag. Hier stolpert Teenager und Hacker Emika Chen per Zufall hinein, als sie sich aus Versehen vor Millionen Menschen in das Eröffnungsspiel von Warcross hackt. Als sie einen Anruf von ihrem Idol, Milliardär und Warcross-Erfinder Hideo Tanaka bekommt, befürchtet sie das Schlimmste. Dabei will der ihr nur eine Stelle als Hacker anbieten, da er befürchtet, dass sein Spiel von bösen Kräften infiltriert und gehackt werden könnte.

„Warcross“ ist Marie Lus neuester Roman. Nach der sehr guten Legend-Trilogie stolperte ich per Zufall über das Buch und bereue den Kauf nicht – oder zumindest fast nicht.

Die Idee ist – wenn auch nicht ganz neu – super, dass in der Zukunft vieles nur in der virtuellen Realität stattfindet. Dabei erfindet Lu aber eine Mischform aus VR und AR (Augmented Reality) , die noch realistischer klingt als in anderen Sci-Fi-Romanen. Ebenfalls das Spiel „Warcross“ ist eine gute Erfindung und Mischung aus Capture-the-Flag, Fangen und einem Ego-Shooter. Alles wirkt sehr durchdacht und dementsprechend stimmig wirkt Lus Welt der Zukunft. Die Hauptcharaktere werden sehr gut vermittelt inklusive ihrer Motivation und ihres Hintergrunds.

Einziges Problem habe ich mit dem Ende des Romans, das keines ist. Es scheint leider normal zu sein, Bücher nicht mehr abzuschließen, wenn es davor schon eine andere erfolgreiche Trilogie gab. Dementsprechend warte ich nun natürlich auf den zweiten Teil, wann auch immer dieser kommen wird. Wer damit kein Problem hat, sollte sich „Warcross“ unbedingt anschauen. Ob und wann das Buch auf Deutsch kommt, weiß ich nicht.

Buch: Der Bienenhirte

Titel Der Bienenhirte
Autor Rini van Solingen
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag dpunkt.verlag, 2017
Seitenanzahl 110

Führungskraft Mark hat Probleme mit seinem agilen und selbstorganisierten Team. Irgendwie organisieren sich die nicht selbst und wollen alles von Mark abgesegnet wissen. Eine Auszeit soll helfen und Mark besucht seinen Großvater auf einer Insel. Dort lacht der Großvater über Marks Probleme, da er die gleichen durchgemacht hat, als er damals von Schafhirte auf Bienenzüchter umschulen musste. Und obwohl der erfahrene Schäfer alles dran setzt, die Bienen zu leiten und zu führen, machten die nicht wirklich mit. Am Ende kam schlechter Honig raus und Marks Großvater machte sich Gedanken, ob er seinen Führungsstil nicht ändern muss.

Die Analogie zwischen dem Führen eines klassischen Projekts, bei dem der Manager immer genau vorgibt, was und wie es gemacht wird und den Schafen ist gar nicht so schlecht. Und sicherlich gibt es auch leichte Übereinstimmung beim Vergleich eines selbstorganisierten Teams und Bienen. Aber ich halte es für einen großen Unterschied, ob man mit denkenden und fühlenden Menschen umgeht oder mit von der Natur und Instinkt getriebenen Insekten.

Mein größer Kritikpunkt an dem Buch ist sicherlich auch seine sehr eingeschränkte Sichtweise. Ja, Marks selbstorganisiertes Team arbeitet nicht wirklich selbstorganisiert – und das kann an Mark liegen, der noch den alten Führungsstil lebt. Es kann aber auch daran liegen, dass man die Schafe schwarz-gelb-gestreift angemalt und ihnen Flügel angeklebt hat und nun von ihnen verlangt, dass sie die Blumen gefälligst nicht mehr fressen sondern bestäuben sollen. Der Aspekt, dass Teams von einen Tag auf den anderen umorganisiert werden und den Stempel „Agil“ aufgedrückt bekommen, trägt nicht gerade dazu bei, guten Honig zu produzieren.

Ansonsten sind die gut 100 Seiten schnell gelesen und unter Umständen nimmt der ein oder andere Manager etwas für sich mit. Ich fand die Geschichte, wie gesagt, zu kurz gedacht.

Buch: Darm mit Charme

Titel Darm mit Charme
Autor Giulia Enders
Sprache Deutsch
Genre Sachbuch
Verlag Ullstein, 2015
Seitenanzahl 285

Der Darm ist sicherlich kein Körperteil, über das man oft redet. Maximal hört man noch „Ach nee, mir geht nicht's gut. Ich habe Magen-Darm.”, aber Positives gibt es eher selten über das flächenmäßig betrachtet größte Organ des menschlichen Körpers zu berichten. Giulia Enders schafft hier Abhilfe und zeigt, auf eine sehr humorvolle und zugleich wissenswerte Art und Weise, wie der Darm funktioniert. Anfangen von der Frage, wie kacken geht (und das wissen nur wenige Menschen) über das Nervensystem bis hin zu den Millionen von kleinen Mikroben, die in uns hausen. Humorvoll illustriert ist das Ganze von Giulias Schwester Jill, sodass man einige Dinge ganz offen vor sich sieht.

Mit Ihrem Vortrag „Darm mit Charm“ auf diversen Science Slams hat Giulia Enders die Zuhörer begeistert und auch in Schriftform kann sie für das eher ungewöhnliche Thema begeistern. Mir selbst haben Teil 1 und 2 des Buches besser gefallen. Der dritte Teil über die Mikroben war sehr lang und stellenweise hat es mich nicht so sehr interessiert, wie der nicht so mikroskopische Aufbau des Körpers.

Alles in allem aber ein sehr gutes Buch, welches mit Humor Wissen vermittelt.