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Die Nominierungen zum Spiel des Jahres 2019

Am 22. Juli 2019 werden die Gewinner des Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres veröffentlicht. Auf der Nominierungsliste stehen jeweils drei Spiele, von denen ich immerhin vier inzwischen spielen konnte. Hier meine Eindrücke, die wie immer nur auf Basis von einigen, wenigen Partien sind.

Spiel des Jahres

Just One

„Just One“ ist schnell erklärt: Ein Spieler wählt von einer Karte ein Wort, das er selbst aber nicht sieht. Die anderen Spieler müssen geheim jeweils einen Begriff dazu aufschreiben, der das Wort umschreibt/erklärt. Danach vergleichen die Mitspieler zuerst, ob es doppelte Hinweise gibt, denn diese werden aussortiert. Die restlichen Begriffe werden dem Startspieler gezeigt, der das Wort erraten muss. Das macht man reihum, Punkte sind prinzipiell egal, auch wenn man versucht alle 13 Begriffkarten zu erraten.

„Just One“ hat mir sehr gut gefallen, denn es ist sehr unterhaltsam. Lustigerweise traut sich oft niemand, die einfachsten Assoziationen aufzuschreiben, weil jeder denkt, dass macht der andere schon. Die Schwierigkeit der Wörter variiert auch stark. Manche lassen sich gut umschreiben, andere wieder nicht so einfach. Dabei ist es super spaßig, wenn zwei Spieler sehr gleich denken und ständig das Gleiche aufschreiben. Wenn die Spieler aber aus unterschiedlichen Bereichen kommen und alle einmal um die Ecke denken können, gibt es kaum Doppelungen, sodass nie etwas herausfällt und der Begriff fast immer erraten wird. Das nimmt irgendwie den Spaß, weil das Spiel so zu einem langweiligen Ratespiel verkommt.

Ein Problem ist auch die Skalierung der Spieleranzahl. Es lässt sich in allen Belegungen spielen (auch mit mehr als der angedachten 7), aber beispielsweise wird das Spiel zu viert manchmal sehr schwer. Denn wenn es Doppelungen gibt, bleiben nur zwei Tipps übrig und damit kommt man sehr selten auf den gesuchten Begriff. In größerer Runde ist es witziger.

Just One
Gesucht war das Wort „Stück“.

Werwörter

Werwörter ist ebenfalls ein Wortspiel, was die Idee von „Wer bin ich” aufgreift. Mit verdeckten Rollen als Bürgermeister, Bürger, Seherin und Werwolf wählt der Bürgermeister geheim einen Suchbegriff aus, den das Dorf danach erraten soll. Danach dürfen nacheinander erst die Seherin und dann der Werwolf das Wort sehen. In der Tag-Phase stellen alle Spieler dem Bürgermeister Ja/Nein-Fragen, die er durch das Auslegen von Ja/Nein-Chips entsprechend beantwortet.

Die Bürger und Seherin müssen vor Ablauf der vier Minuten bzw. dem Verteilen aller Ratechips das Wort erraten haben. Falls das klappt, darf der Werwolf raten, wer die Seherin ist („Resistance: Avalon“ sagt Hallo). Findet er sie, hat doch der Werwolf gewonnen. Umgekehrt gilt: Errät das Dorf das Wort nicht, dürfen diese raten, wer der Werwolf war. Erwischen sie ihn, hat das Dorf gewonnen.

Zum Spielen wird nicht zwingend eine App benötigt, aber sie vereinfacht das Spiel natürlich. Zum einen werden je nach Schwierigkeitsstufe und Rollen andere Wörter zur Auswahl angeboten, die der Bürgermeister erklären muss. Zum anderen liest sie die Rollen mit ihren Aufgaben vor und weist auf den Countdown hin. Dennoch lässt sich das Spiel auch ohne Countdown spielen.

Ich habe „Werwörter“ sehr oft gespielt und es war immer witzig und nicht so einfach, wie man denken mag. Vor allem die Konstellation, dass der Bürgermeister der Werwolf oder die Seherin ist, ist trickreich. Denn wenn die Antwortchips komplett falsch ausgegeben wurden, outet sich der Bürgermeister-Werwolf selbst. Als Bürgermeister-Seherin wiederum ist es etwas schwieriger, weil die Dorfbewohner keinen Plan haben und niemand unterstützen kann. Aber: Es funktioniert. Sehr gut war einmal meine Rolle als Seherin, wo ich absichtlich nur falsche Fragen stellte, aber um genau auf die Art Irrwege für die anderen auszuschließen, was super klappte.

Für mich ist „Werwörter“ das Spiel des Jahres!

LAMA

Zum Schluss noch LAMA. Vorab: Im Gegensatz zu „Just One“ und „Werwörter“ habe ich LAMA nur einmal gespielt, werde es aber auch nicht noch einmal anfassen. Ich frage mich echt, wie das Spiel nominiert werden konnte.

In „LAMA“ hat jeder Spieler anfangs sechs Karten auf der Hand und versucht diese abzulegen. Dabei darf nur eine Zahl mit gleichem Wert oder eins höher abgelegt werden. Auf eine 6 passt dazu ein Lama und auf ein Lama eine 1, sodass man einen Kreis bekommt. Damit man auch etwas länger spielt, kann man Karten ziehen, um so gegebenenfalls später wieder mitzumachen. Wenn alle Spieler nicht mehr anlegen wollen/können, gibt es Minuspunkte für Karten, die man nicht losgeworden ist.

Das war das Spiel und selbst für Familien klingt das zu langweilig. LAMA wird immer wieder mit Uno verglichen. Ja, es gibt Ähnlichkeiten, aber Uno macht mir wenigstens Spaß.

Kennerspiel des Jahres

Flügelschlag

Von den drei Nominierungen konnte ich nur Flügelschlag spielen. Jeder Spieler siedelt auf seinem eigenem Tableau Vögel an. Diese leben im Wald, in der Steppe oder am Fluss. Alternativ zum Ansiedeln können die Spieler die Aktion der drei Landschaften nutzen. Im Wald bekommen wir Nahrung. Je mehr Vögel ich habe, desto mehr Nahrung darf ich sammeln. Die Nahrung brauche ich, um Vögel auszuspielen. In der Steppe brüten die Vögel. Je mehr Vögel ich habe, desto mehr Eier kann ich auf meinen Vögeln verteilen. Eier sind wichtig, um mehr Vögel in einer Landschaft spielen zu können. Im Fluss darf ich neue Vogelkarten ziehen. Drei davon liegen offen aus, ich kann aber auch vom verdeckten Stapel ziehen. Nach einer Landschaftsaktion kann ich noch einige Vögel in der jeweiligen Landschaft aktivieren und deren Fähigkeiten nutzen, was mir mehr Karten, Nahrung oder Eier bringt.

Daneben gibt es noch Rundenziele und persönliche Ziele. Bei den zufällig gezogenen Rundenzielen kommt es darauf an, die meisten von irgendwas zu haben (meisten Steppenvögel, meisten Eier auf einem bestimmten Nesttyp, meisten Vögel mit Eiern in einem Nesttyp etc.). Durch die zufällige Auslage variiert das Spiel jedes Mal. Die persönliche Ziele hat jeder und kann meist auch welche im Laufe des Spiels nachziehen. Es gibt „normale“, wo man einfach nur viel von etwas braucht. Es gibt aber auch interessantere wie z.B. Vögel, die zusätzlich eine Pflanze oder Tier im Namen tragen (Fischadler, Mäusebussard, Birkenzeisig etc.)

Das Spiel ist recht schnell erklärt und spielt sich für erfahrene Spieler recht einfach. Durch die Runden- und persönlichen Ziele gibt es eine Vorgabe, in welche Richtung man gehen kann. Aber: Es führen viele Wege zum Sieg und so gibt es auch andere Arten, Siegpunkte zu erhalten, z.B. über möglichst teure Vögel, über viele Eier, über gesammelte Nahrung etc. Dadurch hat das Spiel auch einen guten Wiederspielreiz. Einzig bei der Interaktion gibt es einen Abzug, da jeder Spieler für sich spielt und plant. In die Quere kommt man sich nur bei den Rundenzielen, wenn man auf diese achtet.

Die Illustrationen der 170 unterschiedlichen Vögel ist großartig. Und man lernt auf jeder Karte auch etwas zum Lebensraum und Funfacts zum Tier. Die Nahrungsmarker sind normal aus Pappe, was völlig ausreicht. Hingucker sind die kleinen Eier, welche auf den Vogelkarten platziert werden.

Da ich die anderen Nominierungen „Carpe Diem“ und „Detective“ noch nicht gespielt habe, kann ich keinen Vergleich ziehen, aber „Flügelschlag“ wäre für mich ein sehr guter Kandidat für den grauen Pöppel.

Flügelschlag

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